Hausärztemangel in Deutschland
Hausärztemangel in Deutschland

Schleswig-Holstein

In einigen Bereichen Schleswig Holsteins herrscht akuter Hausärztemangel. Dies ruft nun die Techniker Krankenkasse (TK) auf den Plan. Leider werden jedoch die falschen Schlüsse gezogen und die falschen Forderungen gestellt. Die TK fordert eine stärkere Präsenz der Allgemeinmedizin im Studium. Doch alleine damit kann es nicht getan sein, denn jeder Medizinstudent im ersten Semester weiß heutzutage schon, wie beschwerlich das Berufsleben des Hausarztes ist. Bekanntermaßen können sich nur noch knapp zehn Prozent der Medizinstudenten vorstellen, Hausarzt zu werden. Um den zunehmenden Hausärztemangel zu stoppen, müsste dagegen die Hälfte eines jeweiligen Medizinerjahrganges die Fachrichtung Allgemeinmedizin einschlagen.  Zudem wurde das Fach Allgemeinmedizin im Studium in den letzten Jahren bereits deutlich aufgewertet, ohne dass es zu einer Zunahme der Zahl der Fachärzte für Allgemeinmedizin gekommen wäre.

 

TK hat das Problem nicht erkannt

Schleswig-Holstein wird in den nächsten Jahren ein Drittel seiner Hausärzte verlieren. Rund 600 der etwa 1800 Hausärzte stehen kurz vor dem Ruhestand und es besteht keine Aussicht, die benötigte Anzahl an Nachfolgern zu finden. Die Aktion der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) "Sei Chefarzt - werde Landarzt", welche den Hausärztenachwuchs motivieren und rekrutiern soll, zeigt keinen Erfolg.

 

Verzweifelte Suche nach Landärzten in Schleswig-Holstein

Mit einer Bustour übers Land, einschließlich der Besichtigung zweier Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) will das Aktionsbündnis Land.Arzt.Leben den Medizinstudenten die Niederlassung schmackhaft machen.

Dass man sich für die Besichtigungstour ausgerechnet zwei MVZ aber keine klassische Arztpraxis ausgesucht hat, spricht Bände, denn bis die teilnehmenden Studenten mit ihrem Studium und der Facharztausbildung fertig sind, dürfte es nur noch wenige Einzelpraxen geben. So wünschen es zumindest die Krankenkassen, die in der letzten Zeit nicht müde werden, die ambulante medizinische Versorgung in MVZ nach dem Vorbild der DDR-Polikliniken zu propagieren.

 

Landpartie für Medizinstudenten

900 der 1900 Hausärzte Schleswig-Holsteins gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Die meisten von ihnen werden keinen Nachfolger finden. Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) wirbt mit ungewöhnlichen Methoden um hausärztlichen Nachwuchs.

 

Ungewöhnliche Suche nach Hausärzten

 

Über die Hälfte der Hausärzte in Rendsburg und Büdelsdorf sind älter als 60 Jahre und Nachfolger sind nicht in Sicht. Der fehlende Nachwuchs wird bereits in wenigen Jahren die medizinsche Grundversorgung gefährden. Die KVSH sieht aber trotzdem keinen Handlungsbedarf, denn statistisch ist alles bestens und neue Hausärzte dürften auch nicht zugelassen werden.

 

Überalterte Hausärzteschaft in Rendsburg und Büdelsdorf

Hausärzte in Nortdorf wollen wegen Überfüllung und aus Angst vor einem Regress die Behandlung eines schwerkranken Patienten nicht übernehmen. Auch wenn die Angehörigen des Patienten die Hausärzte als die Schuldigen ansehen, kann man diesen keinen wirklichen Vorwurf machen. Solange das derzeitige Gesundheitssystem Regresse gegen Kassenärzte ermöglicht, die viele und teure Medikamente und Behandlungen verordnen, werden schwerkranke Menschen immer öfter Schwierigkeiten haben, einen Arzt zu finden.

 

Vom eigenen Hausarzt abgewiesen

Auch viele Medizinstudenten und junge Ärzte werden den unten verlinkten Bericht aus Spiegel online vom 16.4.18 zur Kenntnis nehmen, in dem es darum geht, dass zwei hessische Hausärzte mehrere zehntausend Euro Honorar zurückzahlen müssen, weil man ihnen vorwirft, in den letzten Jahren deutlich mehr Hausbesuche durchgeführt zu haben, als der Durchschnitt der hessischen Hausärzte! Hier werden also zwei Hausärzte nach den Regeln der deutschen Sozialgesetzgebung abgestraft, weil sie ihrem Beruf mit großem Engagement  nachgehen. Die meisten Hausärzte machen sowieso keine oder nur noch wenige Hausbesuche, da diese durch das niedrige Honorar von nicht einmal 23€ unwirtschaftlich geworden sind.

 

Viele junge Mediziner werden daraus ihr Schlüsse ziehen und womöglich nicht mehr in Erwägung ziehen, Hausarzt zu werden - sofern sie das überhaupt je vorgehabt hätten.  Als Hausarzt setzt man sich ganz offenbar der Gefahr aus, bestraft zu werden, wenn man seinen Beruf allzu ernst nimmt.

 

Zwei hessische Hausärzte werden für zuviele Hausbesuche bestraft

Ein Hausarzt aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Oer-Erkenschick musste am Montagmorgen 300 Patienten behandeln und schreibt einen Brandbrief an den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn. Auf dessen Antwort darf man gespannt warten.

 

Hausarztpraxis schleust am Montagmorgen 300 Patienten durch

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Copyright by Andreas Ploch, April 2018