Hausärztemangel in Deutschland
Hausärztemangel in Deutschland

Sachsen-Anhalt

"Die ärztliche Versorgung in Deutschland ist nicht schlecht, aber unzureichend."

Diesen Satz aus einem Artikel der az-online muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn der Duden bietet für das Wort "unzureichend" folgende Synonyme: desolat, mangelhaft, katastrophal, ungenügend, sehr schlecht, kümmerlich,  miserabel und sogar: beschissen!

 

Nicht schlecht, aber ungenügend!

Dem zentralen Bundesland Sachsen-Anhalt fehlen nach offiziellen Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) derzeit rund 150 Hausärzte. Über die Problematik berichtete am 12 .März 2018 auch der MDR.

 

"Fakt ist!" vom 12.3.18

Hausärztliche Bedarfsplanung für Sachsen-Anhalt

Von den rund 1400 in Sachsen-Anhalt praktizierenden Hausärzten werden innerhalb der nächsten neun Jahre 825 (59%) in den Ruhestand gehen. Schon heute fehlen rund 140 Hausärzte, und wenn nicht viele Hausärzte bis über das Rentenalter weiter arbeiten würden, wäre die Lage schon heute sehr viel prekärer. Aktuell geht die KV davon aus, dass jeder Dritte der ausscheidenden Hausärzte keinen Nachfolger findet.

 

Vermutlich wird dieser Anteil in Zukunft noch deutlich ansteigen.

 

Sachsen-Anhalts Ärzteschaft ist überaltert und findet schwer Nachfolger

Wenn die vier über 70 Jahre alten Hausärzte in Wolmirstedt ihre Praxen mangels Nachfolger aufgeben, droht der Region ein eklatanter Hausärztemangel. Schon jetzt sind alle acht Hausärzte in Wolmirstedt so ausgelastet, dass sie kaum noch neue Patienten aufnehmen können.

 

Drohender Kollaps der hausärztlichen Versorgung in Wolmirstedt

20.10.14

Im Kreis Altmark nehmen Hausärzte keine neuen Patienten mehr an. Darüber wird exemplarisch in der AZ-Online berichtet. Ursache ist die Schließung einer Hausarztpraxis in Dähre, für die bislang kein Nachfolger gefunden wurde.

 

Aufnahmestopp bei Hausärzten

28.8.14

Ich gebe zu, dass ich noch nie etwas von Wolmirstedt gehört habe, aber ich werde mir diesen Namen merken, denn es wird schwerfallen, einen Ort mit einer noch älteren Ärzteschaft zu finden. Der Altersdurchschnitt der Wolmirstedter Ärzte beträgt über 64 Jahre! Vier der neun Hausärzte in der 11 500 Einwohner großen Stadt sind sogar über 70 Jahre alt.

Der Wolmirstedter Stadtrat hat nun über das Problem beraten und reflexhaft beschlossen, eine Arbeitsgruppe zur Lösung des unmittelbar bevorstehenden dramatischen Ärztemangels zu bilden. An die zuständige Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) will man sich zunächst nicht wenden, wahrscheinlich, weil man berechtigter Weise davon ausgeht, dass von dort ohnehin keine Hilfe zu erwarten ist. Die KV kann einen freien Arztsitz nur dann vergeben, wenn ihn auch jemand haben will - und genau da sieht es sehr schlecht aus.

Das am 27.8.14 "erzielte" Verhandlungsergebnis der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mit den Krankenkassen über einen effektiven Honorarverlust von 0,1% bei bleibenden Budgets und anderen finanziellen Risiken lässt die Lage sicher nicht besser werden.

 

Die alten Ärzte von Wolmirstedt

5.8.14

In einem bis dato unveröffentlichten Gutachten des IGES-Instituts wurde festgestellt, dass die Hausärzte in den ländlichen Gebieten Sachsen-Anhalts ein um 14%höheres Honorar haben, als ihre Kollegen in der Stadt Berlin. Daraus wird gefolgert, dass der Hausärztemangel im ländlichen Bereich nichts mit dem Honorar zu tun habe. Auch ein höheres Honorar würde Hausärzte folglich nicht aufs Land locken können. Vollkommen außer acht gelassen wird leider die Tatsache, dass Landärzte für dieses um 14% höhere Honorar deutlich mehr als 14% zusätzlich arbeiten müssen, als ihre Berliner Kollegen. Würde man das Honorar der Landärzte um ihre zusätzliche Arbeitszeit bereinigen, verdienen sie nämlich pro Stunde deutlich weniger als die städtischen Hausärzte.

Natürlich wissen dies die Verantwortlichen des IGES-Instituts, doch die Leser der vielen Artikel, in welchen diese Ergebnisse vorab veröffentlicht werden, wissen es nicht, und werden bzgl. der Ursachen des zunehmenden Hausärztemangels wieder einmal für dumm verkauft.

 

Falsche Rückschlüsse aus den Halbwahrheiten eines unveröffentlichten Gutachtens

Alarmierende Daten für den Osten. Die Prognosen für den Ärztemangel in Ostdeutschland waren bisher schon sehr schlecht, aber es wird noch schlimmer kommen, als bislang angenommen wurde.

 

Es wird noch schlimmer!

Das Anwerben ausländischer Hausärzte stellt nach Meinung der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt keine Lösung für den sich ausbreitenden Hausärztemangel dar. Gerade in der hausärztlichen Versorgung ist das sprachliche Verständnis zwischen Arzt und Patient sehr wichtig, doch die meisten ausländischen Hausärzte sprechen nicht gut genug Deutsch.

 

Mediziner aus dem Ausland stellen keine Lösung dar.

Vor allem in Mitteldeutschland wird der Ärztemangel dramatische Formen annehmen. Der MDR hat in einem Thementag die Problematik beleuchtet.

 

Ärztemangel in Mitteldeutschland

Der Anteil der in Teilzeit arbeitenden Ärzte verschärft das Problem des Ärztemangels zusätzlich. Die Ursache ist u.a. der immer größer werdende Anteil an Ärztinnen, die nur in der Teilzeitarbeit die Verknüpfung zwischen Beruf und Familie erreichen können.

 

Teilzeitarbeit verschärft den Ärztemangel

Auch in Sachsen-Anhalt nimmt die absolute Anzahl der Ärzte zu. Der Hausärztemangel wird dadurch allerdings nicht verhindert.

 

Ärztemangel trotz zunehmender Arztzahlen - kein Widerspruch

Auch viele Medizinstudenten und junge Ärzte werden den unten verlinkten Bericht aus Spiegel online vom 16.4.18 zur Kenntnis nehmen, in dem es darum geht, dass zwei hessische Hausärzte mehrere zehntausend Euro Honorar zurückzahlen müssen, weil man ihnen vorwirft, in den letzten Jahren deutlich mehr Hausbesuche durchgeführt zu haben, als der Durchschnitt der hessischen Hausärzte! Hier werden also zwei Hausärzte nach den Regeln der deutschen Sozialgesetzgebung abgestraft, weil sie ihrem Beruf mit großem Engagement  nachgehen. Die meisten Hausärzte machen sowieso keine oder nur noch wenige Hausbesuche, da diese durch das niedrige Honorar von nicht einmal 23€ unwirtschaftlich geworden sind.

 

Viele junge Mediziner werden daraus ihr Schlüsse ziehen und womöglich nicht mehr in Erwägung ziehen, Hausarzt zu werden - sofern sie das überhaupt je vorgehabt hätten.  Als Hausarzt setzt man sich ganz offenbar der Gefahr aus, bestraft zu werden, wenn man seinen Beruf allzu ernst nimmt.

 

Zwei hessische Hausärzte werden für zuviele Hausbesuche bestraft

Ein Hausarzt aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Oer-Erkenschick musste am Montagmorgen 300 Patienten behandeln und schreibt einen Brandbrief an den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn. Auf dessen Antwort darf man gespannt warten.

 

Hausarztpraxis schleust am Montagmorgen 300 Patienten durch

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