Hausärztemangel in Deutschland
Hausärztemangel in Deutschland

Rheinland-Pfalz

Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz gibt keine genauen Zahlen zu fehlenden Hausärzten bekannt, sondern nennt nur die 29 der 51 Planungsbereiche, in denen sich Hausärzte niederlassen können. In diesen Bereichen fehlt also mindestens ein Hausarzt, wobei der tatsächliche Bedarf deutlich höher liegen dürfte.

 

Offene Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte in Rheinland-Pfalz

In Worms hat ein Bündnis von Ärzten eine hervorragende Idee, um junge Allgemeinmediziner ohne Risiko in die Niederlassung zu bringen. Interessierten Ärzten wird eine voll ausgestattete Praxis nebst Management und Übernahme der Steuern angeboten.

 

Hausarzt ohne Risiko

Auch in Rheinlandpfalz sorgt sich die Landes-KV um den Nachwuchs. Hierzu hat man die Webpage arzt-nah-dran.de installiert, auf der sich interessierte Ärzte über eine Niederlassung in RLP informieren können. Die Seite ist ansprechend gestaltet, aber leider weitgehend nichtssagend. In der Rubrik "Zehn gute Gründe" (für eine Niederlassung in RLP) erfährt der interessierte Arzt unter anderem, dass er in seinem Beruf Erfüllung findet, sich selbst verwirklichen kann, Rheinland-Pfalz ihn braucht, die Work-Life-Balance stimmt, er Teil einer Gemeinschaft ist und Rheinland-Pfalz ihm etwas bietet. Aha. Eine pure Frechheit ist aber der Punkt 7, in welchem dem interessierten Arzt vorgekaukelt wird, er habe seine Einkünfte als Kassenarzt selbst in der Hand.

 

Als selbstständiger Arzt behalten Sie Ihre Einkünfte immer in der Hand. In Ihren Entscheidungen bleiben Sie flexibel und können Ihre Arbeitsstunden unter Berücksichtigung der gegebenen Rahmenbedingungen je nach Bedarf variieren. [...] Was Sie finanziell erwirtschaften, gehört Ihnen.

 

Kein Wort von Budgetzwängen, Regelleistungsvolumen, Behandlungspauschalen, Honorarerhöhungen weit unter der Inflationsrate, steigenden Betriebs- und Personalkosten etc.. Wer das liest und keine Ahnung von der Materie hat (und welcher niederlassungswillige Arzt hat das schon), könnte wirklich zur Auffassung gelangen, ein Arzt in Rheinland-Pfalz bekommt alle seine Leistungen vergütet, selbst wenn der Patient zehnmal im Quartal kommt.

 

Niederlassungswillige Ärzte werden in Rheinland-Pfalz für dumm verkauft

Ob ein Zuschuss von zehntausend Euro den Ausschlag geben würden, um einen neuen Arzt von einer Niederlassung in der Gemeinde Waldböckelheim (Kreis Bad Kreuznach) zu überzeugen, darf bezweifelt werden. Immerhin werden andernorts komplette Praxen verschenkt und/oder Niederlassungsprämien bis 60 000 Euro geboten.

 

10000 € für einen neuen Hausarzt in Waldböckelheim

Mit der Aktion "Ort sucht Arzt" hat die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz ein Programm zur Gewinnung von neuen Hausärzten gestartet. Aktuell fehlen in RLP offiziell über 90 Hausärzte.

Auf der Seite der KV können Gemeinde und Städte, die Hausärzte suchen, eine Annonce schalten, um auf sich aufmerksam zu machen. Bislang hatte die Aktion leider wenig Erfolg.

 

Ort sucht Arzt

Nettes Dorf sucht Arzt für Leben auf dem Land

In der Verbandgemeinde Wittlich-Land im Landkreis Bernkastel-Wittlich sinkt der hausärztliche Versorgungsgrad auf 50%. Für 30000 Einwohner in 45 Ortschaften stehen aktuell nur noch neun Hausärzte zur Verfügung.

 

Ärztemangel in der Region Trier

Es ist nicht ungewöhnlich, dass einer kleinen Gemeinde, wie Odernheim in Rheinland-Pfalz ein Hausärztemangel droht. Eher ungewöhnlioch ist jedoch, dass im Rahmen eines Vortrages durch den Neurologen und CDU-Politiker Dr. Heiko Bittmann nicht nur die lokalen Probleme beleuchtet werden, sondern auch der bundesweiten Zustand sowie die Perspektiven. Das Ergebnis ist eher ernüchternd, wobei Odernheim selbst - noch - gut dasteht.

 

Odernheim (RLP) als Spiegel des bundesdeutschen Hausärztemangels

In Rheinland-Pfalz gehen bis 2020 mehr als die Hälfte der Hausärzte in den Ruhestand. Nachfolger sind kaum in Sicht. Das System der ärztlichen Grundversorgung droht zusammenzubrechen, doch Gesundheitspolitik und Kassen sehen weitgehend tatenlos zu.

Ein Beitrag des SWR beschäftigt sich anhand  des Beispiels der Ortschaft Prüm mit dem Problem.

 

Hausärztemangel in RLP

19.1.15

Die Stadt Kaisersesch im Landkreis Cochem in der Eifel leidet unter einem akuten Hausärztemangel, seitdem zwei Hausarztpraxen mangels Nachfolger schließen mussten. Die verbleibenden Hausärzte nehmen zum Teil keine neuen Patienten mehr an, da sie vollkommen ausgelastet sind. Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, denn das Durchshcnittsalter der verbliebenen Hausärzte beträgt über 55 Jahre.

 

Hausärztemangel im Landkreis Cochem

13.10.14

Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz betont erneut den zunehmenden Ärztemangel. Nicht nur die hausärztliche Versorgung ist stark gefährdet, auch viele Fachärzte werden in den nächsten Jahren ohne Nachfolger in den Ruhestand gehen. Davon sind nicht nur ländliche Gebiete, sondern zunehmend auch Städte, wie Ludwigshafen, Trier und Worms betroffen.

 

In Rheinland-Pfalz fehlen nicht nur Hausärzte

17.9.14

Mehr als die Hälfte der etwa 2700 Rheinland-Pfälzischen Hausärzte wird in den nächsten sechs Jahren in den Ruhestand treten. Aufgrund des gravierenden Nachwuchsmangels, dessen Ursachen in erster Linie in der Unattraktivität des Hausarztberufs im bestehenden Gesundheitssystem zu finden sind, wird es vor allem in den ländlichen Gebieten kaum Nachfolger geben. Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund der veränderten Arbeits- und Organisationsformen pro zwei ausscheidenden Hausärzten drei Nachfolger erforderlich werden. Somit benötigt Rheinland-Pfalz bis 2020 über 1900 neue Hausärzte. Das sind rund  doppelt soviele Allgemeinmediziner, als derzeit pro Jahr in Deutschland ihre Facharztprüfung ablegen. Gleichzeitig erfordert der demographische Wandel immer mehr ambulante medizinsche Leistung, die in erster Linie von den Hausärzten zu erbringen wäre.

Dieses düstere Zukunftsszenario zeichnet der aktuelle Versorgungsatlas der KV Rheinland-Pfalz.

 

Versorgungsatlas 2014 der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz

15.9.14

Hausärztemangel ist auch Notärztemangel. In vielen ländlichen Gebieten werden die Notarztstandorte von Hausärzten besetzt, die bei Alarmierung mit dem Notarzteinsatzfahrzeug von ihrer Praxis aus zum Einsatzort fahren. In Rheinlandpfalz besteht bereits an mehr als 60 Prozent der Notarztstandorte ein deutlicher Notarztmangel, da viele Notärzte ihren Dienst aus Alters- oder Honorargründen niedergelegt haben. Beispielsweise in Remagen ist der Notarztstandort in fast der Hälfte der Zeit nicht besetzt.

Für das Innenministerium besteht jedoch gar kein Problem, denn wenn der nicht besetzte Notarzt in Remagen benötigt würde, könne ja der Notarzt aus dem Nachbarlandkreis kommen. Was aber, wenn der dortige Notarzt gerade im Einsatz ist ...?

Die in RLP oppositionelle CDU sieht die Verantwortung natürlich bei der rot-grünen Landesregierung und vergisst dabei, dass der Ärztemangel ein Problem auf Bundesebene darstellt, welches hauptsächlich in Berlin gelöst werden muss.

 

Mit den Hausärzten verschwinden auch die Notärzte

Die CDU-Opposition in Rheinland-Pfalz fordert Stipendien für Medizinstudenten, die sich bereiterklären, nach ihrem Studium Hausarzt zu werden. Man verspricht sich davon, den bereits bestehenden und in anderen Regionen drohenden Mangel an Hausärzten zu kompensieren. Peter Enders, der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion lässt jedoch offen, wie hoch dieses Stipendium ausfallen sollte.

 

Stipendium für zukünftige Hausärzte

 

Es ist allerdings kaum anzunehmen, dass ein Stipendium über bestenfalls ein paar hundert Euro monatlich einen Medizinstudenten dazu bringen wird, unter den derzeitigen Gegebenheiten des GKV-Systems Hausarzt werden zu wollen.

Dem Landkreis Altenkirchen im Westerwald drohen die Hausärzte auszugehen. Von den aktuell noch 100 praktizierenden Hausärzten werden innerhalb der nächsten sechs Jahre 51 in den Ruhestand gehen. Zwanzig Hausärzte haben in den letzten Jahren bereits ohne Nachfolger aufgehört zu praktizieren.

Leider kennt auch im Kreis Altenkirchen niemand einen guten Grund, warum es für die nächsten 51 ausscheidenden Hausärzten Nachfolger geben sollte. Am wenigsten der CDU-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises zu dem auch Altenkirchen gehört. Dieser verlegt sich auf Allgemeinplätze und lobt das beste Gesundheitssystem der Welt und die ach so tollen Ideen der Groko zur Gesundheitspolitik. Das kommt eben dabei heraus, wenn Betriebswirte im Gesundheitsausschuss sitzen ...

 

Früher 120, bald nur noch 49 Hausärzte

Dem Landkreis Bad Kreuznach droht ein ernster Hausärztemangel. Daran ändern auch Medizinische Versorgungszentren, wie das Valentinum nichts. Der Hausarzt wird nicht in der Kreisstadt benötigt, sondern vor Ort. MVZ mögen zwar angenehm für die dort tätigen Ärzte sein, lösen aber das Problem für die Patieten nur sehr vordergründig.

 

Bad Kreuznach droht der Hausärztemangel

Im Stadtbereich Kirn und im Umland sind die Hausarztpraxen teilweise dermaßen ausgelastet, dass keine neuen Patienten mehr angenommen werden. Der Grund liegt in der fehlenden Nachbesetzung der ausscheidenden Hausärzte.

 

Hausärzte im Kirner Raum sind fast am Anschlag

Der Kreisatlas der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zur ärztichen Versorgung im Kreisgebiet Worms/Alzey-Worms prognostiziert, dass bis zum Jahr 2020 jeder zweite niedergelassene Arzt einen Nachfolger für seine Praxis sucht.

 

Bis zum Jahr 2020 sucht jeder zweite Arzt im Bereich Worms-Alzey einen Nachfolger

Immer mehr Landarztpraxen im Kreis Bernkastel-Wittlich schließen, weil sie keine Nachfolger finden. Für den gesamten Kreis gilt: Bis 2020 geht 52 Prozent der Hausärzte in den Ruhestand. Nachfolger sind, wenn überhaupt, nur schwer zu finden, vor allem auf den Dörfern.

 

Dem Kreis Bernkastel-Wittlich gehen in den nächsten fünf bis sechs Jahren die Hausärzte aus

Auch viele Medizinstudenten und junge Ärzte werden den unten verlinkten Bericht aus Spiegel online vom 16.4.18 zur Kenntnis nehmen, in dem es darum geht, dass zwei hessische Hausärzte mehrere zehntausend Euro Honorar zurückzahlen müssen, weil man ihnen vorwirft, in den letzten Jahren deutlich mehr Hausbesuche durchgeführt zu haben, als der Durchschnitt der hessischen Hausärzte! Hier werden also zwei Hausärzte nach den Regeln der deutschen Sozialgesetzgebung abgestraft, weil sie ihrem Beruf mit großem Engagement  nachgehen. Die meisten Hausärzte machen sowieso keine oder nur noch wenige Hausbesuche, da diese durch das niedrige Honorar von nicht einmal 23€ unwirtschaftlich geworden sind.

 

Viele junge Mediziner werden daraus ihr Schlüsse ziehen und womöglich nicht mehr in Erwägung ziehen, Hausarzt zu werden - sofern sie das überhaupt je vorgehabt hätten.  Als Hausarzt setzt man sich ganz offenbar der Gefahr aus, bestraft zu werden, wenn man seinen Beruf allzu ernst nimmt.

 

Zwei hessische Hausärzte werden für zuviele Hausbesuche bestraft

Ein Hausarzt aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Oer-Erkenschick musste am Montagmorgen 300 Patienten behandeln und schreibt einen Brandbrief an den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn. Auf dessen Antwort darf man gespannt warten.

 

Hausarztpraxis schleust am Montagmorgen 300 Patienten durch

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