Hausärztemangel in Deutschland
Hausärztemangel in Deutschland

Nordrhein-Westfalen

Schön, dass der G-BA in den nächsten zehn Jahren 31 neue Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte in Oberhausen schaffen möchte. Nur leider hat man sich noch gar keine Gedanken darüber gemacht, woher man die Allgeinmediziner für diese Kassenarztsitze nehmen will, zudem im gleichen Zeitraum hunderte weiterer Hausarztsitze in NRW frei werden, weil die Hausärzte in Rente gehen.

 

Purer Aktionismus in Oberhausen

In NRW beenden mehr als doppelt so viele Hausärzte ihre berufliche Tätigkeit, als neue Hausärzte anfangen. Mehr als jeder zweite Hausarzt findet also keinen Nachfolger und muss seine Praxis mit dem Eintritt in die rente schließen. Das hat bereits dazu geführt, das aktuell 574 Hausarztsitze unbesetzt sind, und die Tendenz ist steigend.

„Wenn wir nicht schleunigst etwas tun, steuern wir hier auf eine Katastrophe zu“, sagt Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), wobei er noch offenbar noch weit davon entfernt ist, zuzugeben, dass die Versorgungskatastrophe in diesem Gesundheitssystem nicht mehr abzuwenden ist und er selbst einer der Verantwortlichen ist.

 

"Die Welt" zum Hausärztemangel in NRW

Ein Hausarzt aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Oer-Erkenschick musste am Montagmorgen 300 Patienten behandeln und schreibt einen Brandbrief an den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn. Auf dessen Antwort darf man gespannt warten.

 

Hausarztpraxis schleust am Montagmorgen 300 Patienten durch

Wenn es um den Ärztemangel geht, fürchten Politiker neuerdings nicht mehr um das Wohl des Volkes, sondern um das eigene! Anders kann man die Äußerung des NRW-Gesundheitsministers Laumann nicht deuten. "Es könnte der Tag kommen, dass eine unzureichende ärztliche Versorgung Wahlen entscheidet", sagte er beim Forum Gesundheit im evangelischen Krankenhaus Mühlheim.

 

Diese Angst vor dem Wähler ist durchaus nachvollziehbar, haben doch Gesundheitspolitiker aller Coleur in den letzten Jahrzehnten unser Gesundheitssystem dorthin gebracht, wo es sich heute befindet...

 

Ärztemangel bereitet Politikern Sorgen

Wenn es nicht so traurig wäre ...

 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschloss, in NRW insgesamt 600 neue Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte zu schaffen. Hintergrund ist, dass für das Ruhrgebiet seit der Einführung der Bedarfsplanung 1993 eine Sonderregelung galt. Aufgrund der eng zusammenliegenden Großstädte ging man nicht davon aus, dass die städtischen Hausärzte auch die Bevölkerung des Umlands versorgen müssen, somit gab es im Vergleich zu anderen Großstädten weniger Hausarztsitze. Ein Gutachten des IGES-Instituts ergab, dass diese Schlechterstellung des Ruhrgebits nicht mehr zeitgemäß sei.

In den nächsten zehn Jahren sollen nun in NRW jährlich jeweils 40 neue Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte geschaffen werden. Anschließend wird die Bedarfsplanung dem bundeseinheitlichen Niveau vollständig angepasst, was einer Gesamterhöhung um 600 Kassenarztsitze entspricht.

 

Leider beschloss der G-BA nicht, woher man diese 600 zusätzliche Hausärzte nehmen will. Bereits heute schon fehlen nämlich in NRW knapp 600 Hausärzte (Quelle: KV-NO, KV-WL). Innerhalb der nächsten 10 Jahre wird rund die Hälfte der aktuell in NRW tätigen Hausärzte in den Ruhestand gehen, viele - wenn nicht sogar die meisten - ohne Nachfolger.

 

Die Schaffung von 600 neuen Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte in einem ohnehin für Hausärzte unattraktiven Bundesland ist also nichts anderes als eine populistische Luftnummer.

 

Quelle: Ärztenachrichtendienst (22.11.17)

Wo fehlen wieviele Hausärzte? Immer noch wird behauptet, der Hausärztemangel sei eigentlich ein Landärztemangel, und Allgemeinmediziner würden sich eben lieber in den Städten niederlassen, als auf dem Land. Nachfolgende Links führe Sie zur aktuellen Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigungen Westfalen-Lippe (KV-WL) und Nordrhein (KV-NO). Die Bedarfsplanung weist alle Planungsbereiche auf, und wieviele Niederlassungsmöglichkeiten es dort aktuell gibt, bzw. wieviele Hausärzte fehlen.

 

Hausärztemangel in NRW (KV-WL)

Hausärztemangel in NRW (KV-NO) (Seite 6-9)

 

Der etwa 36 000 Einwohner zählenden Stadt Wermelskirchen im Rheinisch-Bergischen Kreis gehen langsam die Hausärzte aus. Derzeit fehlen dort sechs Allgemeinmediziner, nachdem die einstigen Praxisinhaber keine Nachfolger gefunden und ihre Praxen geschlossen haben.

 

In Wermelskirchen fehlen sechs Hausärzte

Ein Hausarzt in Wuppertal-Barmen findet nach jahrzehntelanger Praxistätigkeit keinen Nachfolger. Ich erlaube mir jedoch, dem Kollegen eine gewisse Blauäugigkeit zu unterstellen, da er erst vor einem Dreivierteljahr mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen hat, doch schon zum 1.4. diesen Jahres in den Ruhestand treten möchte. Die Zeitplanung wäre auch schon recht knapp, wenn er sofort einen Nachfolger gefunden hätte.

 

Barmener Hausarzt sucht Nachfolger

Die Gemeinde Reichshof bietet jedem Allgemeinmediziner, der sich in dem Ort niederlässt eine Prämie von 50 000 €. Obwohl die 19 000 Einwohner umfassende Gemeinde mit neun Hausärzten derzeit noch gut aufgestellt erscheint, droht ein Hausärztemangel. Zwei der Ärzte suchen bereits einen Nachfolger und der Altersdurchschnitt aller Hausärzte liegt aktuell bei "Ende 50".

 

50 000 Euro für einen Hausarzt

Sieben der neun Hausärzte in Neuenrade sind älter als 63 Jahre. So langsam wird die Situation in der Kleinstadt in NRW bedrohlich, doch ein Weg, der den unausweichlich erscheinenden Hausärztemangel umgehen soll, ist noch nicht gefunden.

 

Neuenrade sucht neue Ärzte

Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), Dr. Gerhard Nordmann, nahm zu der zunehmenden Belastung der Hausärzte durch Asylbewerber Stellung. Im Rahmen seiner Stellungnahme nannte er die aktuellen Zahlen zu den derzeit vakanten Hausarztsitzen in seinem Zuständigkeitsbereich. Demnach fehlen im KV-Bereich Westfalen-Lippe derzeit 334,5 Hausärzte. Von den verbleibenden Hausärzten seine zudem ein Drittel älter als 60 Jahre.

In der gesamten Region Westfalen-Lippe werden die Hausärzte knapp. Reflexartig fängt man an zu diskutieren und kommt zum Ergebnis, dass man etwas unternehmen müsse.

 

Nun, zu diesem Rückschluss kommt man bereits in vielen Regionen Deutschlands, nur hat bislang noch niemand etwas wirklich Effektives gegen den ausufernden Hausärztemangel getan.

 

Hausärzte verzweifelt gesucht

Wir müssen nach passenden Lösungen suchen!

In Herford wollte ein ausscheidender Hausarzt seine Praxis sogar verschenken, um einen Nachfolger zu finden. Doch niemand interessierte sich für die Traditionspraxis, die seit rund 65 Jahren bestand.

Weil bereits 21 der 66 Hausärzte im Mittelbereich Herford älter als 60 Jahre alt sind, und kaum einer von ihnen in den nächsten Jahren mit einem Nachfolger rechnen kann, entwickelt sich auch dort langsam ein Hausärztemangel.

 

Noch nicht einmal geschenkt ...

4.6.15

 

Vor etwa einem Jahr wurde bekannt, dass die Stadt Kaarst unter dem stärksten Hausärztemangel in NRW leidet. Der Versorgungsgrad beträgt nur noch ca. 70%.  Daran hat sich bislang nichts geändert. Der Sozialausschuss der Stadt wollte nun resignieren und das Thema von der Liste der nicht ausgeführten Beschlüsse streichen, da man außer durch finanzielle Zuwendungen keine Möglichkeit sähe, Hausärzte anzulocken.

Die KV Nordrhein wiegelt dagegen ab. Die hausärztliche Versorgung sei in Kaarst noch "vergleichsweise gut". Die Frage, welcher Vergleich hierzu herangezogen wurde, wenn Kaarst ohnehin das Schlusslicht in der hausärztlichen Versorgung darstellt und was man unter "gut" versteht, bleibt allerdings offen.

 

Hausärztemangel in Kaarst unverändert

20.1.15

Möglicherweise wird die Stadt Dormagen (ca. 63000 Einwohner) innerhalb kurzer Zeit fast die Hälfte ihrer Hausärzte verlieren. Acht von 17 niedergelassenen Allgemeinmedizinern erreichen innerhalb der nächsten drei Jahre das Rentenalter, ohne dass eine Nachfolge in Sicht wäre. Somit wäre Dormagen noch viel stärker vom Hausärztemangel betroffen, als die nahe gelegene Stadt Kaarst.

 

Dormagen steht vor einem schweren Hausärztemangel

7.1.15

Regressforderungen der Kassen in ruinöser Höhe veranlassen den Bergneustädter Hausarzt Stefanus Paas, seine Praxis zu schließen und Deutschland Richtung Skandinavien zu verlassen.

In einem Interview mit der Zeitung "Oberberg aktuell" spricht er über seine Beweggründe.

 

Hausarzt wirf hin und verlässt Deutschland

22.11.14

Nordrhein-Westfalen gehen die Hausärzte aus, das Bundesland steuert auf eine dramatische Unterversorgung zu. Zu diesem Schluss kommt nun auch der CDU-Politiker und Patientenbeauftragte der Bundesregierung Karl-Josef Laumann. Geblendet durch die Parteidoktrin zieht er jedoch die absolut falschen Schlüsse. Es genügt nämlich nicht, noch mehr Studenten auszubilden, denn die werden flüchten, sobald sie realisiert haben, was es bedeutet, in einem planwirtschaftlichen System Arzt zu sein. Geradezu lächerlich ist Laumanns grundsätzliche Forderung, das System müsse liefern, was wir brauchen. Das hat doch schon in der DDR nicht funktioniert, obwohl die Ärzte dort nicht flüchten durften.

Wenn ein System funktionieren soll, muss es ordentlich gewartet und mit Energie versorgt werden, sprich: die Ärzte müssen entsprechend pekunär motiviert werden und die ärztliche Leistung darf nicht zum Großteil durch meist unsinnige Verwaltungsbelange verschwendet werden. Das schwant zwar auch Herrn Laumann, doch auch hier zieht er die falschen Schlüsse. Nicht, wie er fordert, die nordrhein-westfälische Landesregierung oder die KVen könnten daran etwas ändern, sondern nur sein Partei-Kumpel und Bundesminister für Gesundheit Hermann Gröhe. Doch dieser ist leider gerade damit beschäftigt, durch die Einführung des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes dem bundesdeutschen Kassenarztsystem endgültig den Garaus zu machen und die ambulante Versorgung den Krankenhäusern der Bigplayer zuzuschustern.

 

NRW steuert ungebremst auf die Versorgungskatastrophe zu

19.11.14

Was dabei herauskommt, wenn Politiker, einschließlich Bundesgesundheitsminister Gröhe über den regionalen Ärztemangel im Kreis Kleve diskutieren, zeigt exemplarisch der Artikel der Onlineausgabe der Rheinischen Post. Gröhe versucht den Eindruck zu erwecken, er habe mit seinen Programmen, die nicht näher erläutert werden, alles im Griff. "Ziel sei eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung in guter Qualität in der Stadt und auf dem Land." Also etwa so, wie es bis vor 20 Jahren war und durch die Gesundheitspolitik aller Coleur systematisch zerstört wurde! Kennt Herr Gröhe etwa seinen eigenen Gesetzentwurf zum GKV-Versorgungsstärkungsgesetz nicht, welches die Situation gerade in angeblich überversorgten Gebieten, wie Kleve noch deutlich verschlimmern wird?!

Die Verantwortung, an der derzeitigen Situation etwas zu ändern wird jedoch den Kassenärztlichen Vereinigungen NRWs und der Landesregierung übertragen.

 

Lauwarme Luft

19.11.14

Auch der Landkreis Unna befürchtet eine Ausbreitung des Hausärztemangels. Förderprogramme, die zum Teil schon seit fünf Jahren bestünden, haben bislang keinen Erfolg gezeigt.

Es genügt eben nicht, Hausärzte mit schmalen Einmalzahlungen in die Niederlassung zu locken, man muss auch attraktive Rahmenbedingungen schaffen, welche derzeit in ganz NRW im Vergleich zu anderen Bundesländern am allerwenigsten bestehen.

 

Immer weniger Hausärzte im Landkreis Unna

17.11.14

Die Doppelgemeinde Aue-Wingeshausen (Lkr. Bad Berleburg) in NRW steht von heute auf morgen und völlig überraschend ohne Hausarzt da. Der einzige praktizierende Hausarzt Jürgen R. hat das Handtuch geworfen und ist abgetaucht. Die Gründe dafür sind nicht ganz klar, werden aber in allgemeiner Überarbeitung sowie der drohenden Insolvenz vermutet. Seine Patienten können sich in den nächsten Wochen ihre Krankenakten abholen, nur der Ortsvorsteher übt sich in Zweckoptimismus, denn er geht davon aus, dass sich ein Nachfolger finden lässt.

 

Hausarzt verschwindet von heute auf morgen

Verschwundener Hausarzt meldet sich 

15.11.14

In der Ortschaft Rahmede (Lkr. Altena, NRW) gibt es seit dem 23. September 2014 keinen Hausarzt mehr, nachdem der einzige Arzt aus Altersgründen und ohne Nachfolger seine Praxis schließen musste.

Anlässlich dieser Situation nimmt Dr. Martin Junker, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe kein Blatt vor den Mund.

 

Von der Politik kommt nur heiße Luft und Falschaussagen

11.11.14

Die Messerstadt Solingen verzeichnete allein in den letzten drei Jahren einen Rückgang der Hausarztpraxen um 10%. In den nächsten Jahren wird sich die Situation voraussichtlich noch weiter verschlechtern. Die Stadtverwaltung verschließt vor dem nahenden Problem jedoch die Augen und rettet sich nach einer Anfrage der Stadtratsfrakltion der FDP auf gesundheitspolitische Allgemeinplätze. Eigentlich kein Wunder, denn wenn niemand in Deutschland eine vernünftige Antwort auf den Hausärztemangel hat, warum gerade die Solinger Stadtverwaltung?

 

Solinger Stadtverwaltung sieht trotz evidentem Rückgang der Hausarztpraxen immer noch kein Problem

11.11.14

Die Heimatstadt der bislang einzigen privaten medizinischen Universität, Witten steuert ungebremst auf einen gravierenden Hausärztemangel zu. Zwar gibt es derzeit noch genug Hausärzte, doch ein großer Teil der 57 Allgemeinmediziner wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, jeder fünfte ist heute schon im Rentenalter. Nachfolger sind aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen für Hausärzte kaum in Sicht.

 

Trotz Uni keine Hausärzte mehr

11.11.14

Der Stadt Meerbusch droht der Hausärztemangel. Noch gibt es genug Hausärzte, der Versorgungsgrad beträgt noch 100%. Doch in den nächsten Jahren werden viele der 36 Meerbuscher Hausärzte in den Ruhestand gehen, und wenige nur werden einen Nachfolger finden. Dies vermutet zumindest der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Rhein-Kreis.

 

Meerbusch droht der Hausärztemangel

1.11.14

Die Stadt Remscheid steuert nach Angaben der neuen Führungsspitze der Kreisstelle der Ärztekammer Nordrhein auf einen dramatischen Hausärztemangel zu. Man sieht sich allerdings außerstande, dagegen etwas zu unternehmen, da die Ursachen vielschichtig und in der Gesundheitspolitik zu suchen seien.

 

Dramatischer Hausärztemangel droht in Remscheid

21.10.14

Regressforderungen der Kassen in Höhe von über 34 000 € lassen den Hausarzt Dr. Paas in Bergneustadt über die Schließung seiner Praxis nachdenken. Dieser abschreckende Fall ist ein weiterer Grund dafür, dass junge Ärzte ihre berufliche Tätigkeit nicht in der Niederlassung suchen.

 

Dieser Fall wurde kürzlich auch im Fernsehsender WDR diskutiert, wobei sich Karl Lauterbach, der dazu als "Gesundheitsexperte" befragt wurde, ziemlich blamierte. Seine Äußerungen, insbesondere die Behauptung, die KV Nordrhein sei für den Regress verantwortlich und würde den betreffenden Arzt nicht unterstützen, kommentierte der Vorsitzende der KV Nordrhein Dr. Peter Potthoff folgendermaßen:

 

„Ich erinnere Herrn Prof. Lauterbach daran, dass Herr Paas keinen, Kampf gegen die KV‘, sondern eine Auseinandersetzung mit dem Beschwerdeausschuss der Ärzte und Krankenkassen Nordrhein führt“ [...]

 

Das Prüfverfahren gegen Paas sei bei der zuständigen Prüfungsstelle und zuletzt beim Beschwerdeausschuss als Widerspruchsinstanz geführt worden.

 

„Beide Prüfgremien sind gemeinsame Einrichtungen der nordrheinischen Krankenkassen und der KV Nordrhein und nehmen ihre Aufgaben eigenverantwortlich wahr. Das Verfahren ist, wie Herr Prof. Lauterbach weiß, in Paragraf 106 des fünften Sozialgesetzbuchs geregelt und erfolgt damit ausdrücklich im Auftrag des Gesetzgebers“, so Potthoff. „Wir haben keinerlei Grund, an der Korrektheit der Verfahren in den Prüfgremien zu zweifeln. Selbstverständlich werden in den Verfahren alle Argumente und Sachverhalte zur Entlastung betroffener Kollegen einbezogen.“

Falsch sei auch die Behauptung von Herrn Lauterbach, der Gesetzgeber würde das Regressproblem mit dem neuen „Versorgungsstärkungsgesetz“ (GKV-VSG) beseitigen.

„Der im vorliegenden Referentenentwurf des VSG vorgesehene Wegfall der Richtgrößen erweist sich als pure Augenwischerei. Vielmehr lässt der Referentenentwurf klar erkennen, dass der Prüfauftrag, den die Politik der gemeinsamen Selbstverwaltung auferlegt, mit allen Konsequenzen erhalten bleibt. Neben Regressen gegen Ärzte, die ‚unwirtschaftlich’ verordnen, setzt der Gesetzgeber weiterhin auf das Instrument der persönlichen Haftung der Vorstände von KVen und Krankenkassen, um dem Regime der Wirtschaftlichkeitsprüfungen auch künftig die von der Politik geforderte Durchschlagskraft zu sichern. „

 

Quelle: änd

 

Hausarzt denkt über Schließung seiner Praxis wegen Regressforderung nach

16.10.14

Der Vorsitzende des Halterner Ärztenetzwerks Dr. Björn Hollensteiner befürchtet einen Mangel an Hausärzten im Raum Recklinghausen und Haltern. Grund dafür ist die Überalterung der niedergelassenen Ärzte und der Mangel an potentiellen Nachfolgern, der in erster Linie durch die schlechte Honorierung der Hausarzttätigkeit bedingt ist.

 

Noch gibt es genug Hausärzte im Raum Recklinghausen

16.10.14

Auch in Iserlohn beginnt man sich Gedanken über einen bevorstehenden Ärztemangel zu machen. Die CDU-Fraktion fragt beim Bürgermeister an, wie es um die hausärztliche Versorgung bestellt ist. Das "spannende Modell" der Stipendien, welches von den Politikern im Kreis Iserlohn derzeit "geprüft" wird, ist jedoch ein alter Hut und kann höchsten als Tropfen auf den heißen Stein betrachtet werden.

 

Drohender Ärztemangel in Iserlohn

8.10.14

Mit ihrer freundlicher Genehmigung darf ich folgenden Beitrag einer ehemaligen Hausärztin aus Duisburg zitieren, den sie am 8.10.14 im Ärztlichen Nachrichtendienst (änd) veröffentlichte:

 

[...] So musste ich selbst darauf kommen, dass Arzt in Deutschland zu sein bedeutet, die Musik nicht bestellt zu haben, diese aber bezahlen zu dürfen.

Ich habe 4 Jahre gebraucht, um zu begreifen, dass nicht ich es bin, die das System nicht versteht. Jetzt bin ich raus und kann wieder gut schlafen. Aber leider habe ich noch einen Abschiedsgruß von der Prüfstelle erhalten mit einer Regressandrohung im 6-stelligen Bereich. Jetzt heißt es Anwalt einschalten, Stellung nehmen und hoffen, dass der Kelch an einem vorbei geht.

Ich bin so froh und gleichzeitig so traurig einen der tollsten, schönsten und erfüllendsten Berufe, nämlich Hausarzt, nicht mehr auszuüben. Ich habe es sehr gern gemacht, aber habe, glaube ich, auch Dank der Kollegenbeiträge hier im Forum (einen Herzlichen Dank an alle kritischen Stimmen!!!) schnell begriffen, dass es so wie gelebt nicht funktionieren kann.

Dieses System verschleisst Kollegen im großen Maßstab und etablierte politisches Strömungen haben ausser halbherzig vorgetragenen Lippenbekenntnissen keine Antworten auf die Sanierung dieses Systems, dass sich schon jetzt den Marktinteressen der privaten Gesundheitswirtschaft völlig untergeordnet hat.

Wenn dies der Weg sein soll, dann soll es halt so sein! Aber die Verlogenheit mit der man so viele Kollegen ans Messer liefert und darauf baut, dass die Ärzte ihrem beruflichen Ethos und ihrer sozialen Erpressbarkeit folgen und das Beste für ihre Patienten wollen ist so beschämend und erbärmlich und hat so viele negative wirtschaftliche Folgen für alle die Kollegen, die bei der Stange bleiben!

Der Verlust der Kontrolle und die Ohnmacht sind die Dinge, die ich als am schlimmsten erlebt habe. Der völlige Blindflug in wirtschaftlichen Belangen und die Ungleichheit der Rechtsmittel mit KV auf der einen und mir auf der anderen Seite... Das wirtschaftliche Risiko und die Haftung mit dem Privatvermögen... Wie hat es nur so weit kommen können, dass man sich als niedergelassener Arzt in Deutschland in so einem Korsett aus Regelungen, Haftpflichten, Regressansprüchen, zivilrechtlichen Ansprüchen und strafrechtlichen Ansprüchen regelrecht verheddert hat. Die Selbstverwaltung [Anm.: Kassenärztliche Vereinigungen] ist zu einer Hydra mutiert, die alles platt walzt, was sich ihr in den Weg stellt.

Ich hoffe für und wünsche allen Kollegen da draussen, die weiter kämpfen wollen und die auch wahrscheinlich zu einem großen Teil gezwungen sind weiter zu kämpfen, dass sie sich, ihre Familien, Freunde und ihre Ideale nicht verlieren und bei dem täglichen Kampf auf der Strecke bleiben.

1.10.14

Eigentlich hätte man in Remscheid wissen müssen, was in Sachen Hausärztemangel auf die Stadt zukommt. Möglicherweise hat man aber den Beteuerungen der Bundes- und Landesgesundheitspolitik oder den Krankenkassen zu lange Glauben geschenkt, die gebetsmühlenartig wiederholten, der Hausärztemangel sei nichts als ein Verteilungsproblem und würde - wenn überhaupt - nur auf dem Land stattfinden. Doch nun sieht sich Remscheid (ca. 109 000 Einwohner) mit der harten Realität konfrontiert, denn in den nächsten Monaten werden einige Hausärzte ohne Nachfolger in den Ruhestand gehen und ihre Praxen schließen. Viele andere Hausärzte nehmen bereits keine neuen Patienten mehr an.

Nun soll erstmals (!) ein Arbeitskreis aus Medizinern, Bankern, Marketingspezialisten und Verwaltungsmitarbeitern tagen, um zu beratschlagen, wie man Remscheid für junge Hausärzte attraktiver machen könnte.

 

Die Verantwortlichen in vielen anderen Städten und Gemeinden sollten sich daher schnellstens auch Gedanken machen und sich fragen:

"Sind wir nicht alle ein bisschen Remscheid?"

 

Auch in Remscheid hat man den Ernst der Lage endlich begriffen

29.9.14

In Köln werden bis zum Jahr 2030 170 Hausärzte fehlen, im Rhein-Erft-Kreis und im Rheinisch-Bergischen Kreis jeweils 100 und im Oberbergischen Kreis und im Kreis Leverkusen etwa 40. Das bedeutet nichts anderes, als dass die hausärztliche Versorgung in diesen Bereichen in absehbarer Zeit zusammenbrechen wird.

 

Hausärztemangel im Rheinland

24.9.14

Auch in der Gemeinde Stemwede erwartet man einen gravierenden Hausärztemangel, denn vier der acht verbliebenen Hausärzte werden in absehbarer Zeit in den Ruhestand treten, wahrscheinlich ohne Nachfolger.

In der Gemeinde hat man zwar einige Ideen, doch diese unterscheiden sich auch nicht von den Ideen anderer Kommunen mit gleichen Problemen. Letztendlich sieht man dem Hausärztemangel ziemlich hilflos entgegen. Diese Hilflosigkeit wird vom SPD-Fraktionsvorsitzenden der Gemeinde mit den Worten "Irgendwas müssen wir tun" treffend zusammengafasst.

 

Runder Tisch zum Hausärztemangel in Stemwede

Gemeinde sucht das Gespräch

23.9.14

In Isselburg, einer knapp 11 000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Landkreis Borken (NRW) hat man bemerkt, dass die Stadt auf einen gravierenden Hausärztemangel zusteuert, der bereits in wenigen Jahren Realität zu werden droht. Bürgermeister und Stadtrat wissen allerdings noch nicht so genau, wie sie der Entwicklung gegenzusteuern gedenken und wollen es erst einmal mit Maßnahmen versuchen, die schon andernorts vielfach versagt haben: Gespräche mit örtlichen Ärzten und Kassenärztlicher Vereinigung.

 

Isselburger Politik will Ärztemangel abwenden

17.9.14

Die Kreisverwaltung Kleve versucht neue Hausärzte mit einem kostenlosen einwöchigen Ferienprogramm einschließlich Mietwagen von den Vorzügen einer Niederlassung in der Stadt zu überzeugen.

Vor so viel Naivität muss man beinahe den Hut ziehen. Offenbar hat man in Kleve überhaupt keine Ahnung von den Ursachen den Hausärztemangels und ist überzeugt, dass man allein mit einer netten Stadt und einem schönen Umland einen neuen Hausarzt gewinnen könnte.

 

Kleve(r)?

27.8.14

Nur weil viele Hausärzte bis weit ins Rentenalter hinein weiterarbeiten, lässt sich die hausärztliche Versorgung in vielen Regionen überhaupt noch aufrecht erhalten. Die Rheinische Post berichtet über einen Hausarzt im Bergischen Land, der auch mit 69 Jahren nicht aufhören kann und will, da er trotz fünfjähriger Suche immer noch keinen Nachfolger gefunden hat.

 

Landärzte verzichten auf ihren Ruhestand

18.8.14

Bis zum Jahr 2030 werden in Solingen altersbedingt 17 Hausärzte fehlen. Dies berichtet die Rheinische Post in ihrer Online-Ausgabe am 18.8.2014. Wieviele Hausärzte zusätzlich aufgrund der immer prekärer werdenden finanziellen Situation das Handtuch werfen werden, wird nicht thematisiert.

 

Auch in Solingen finden Hausärzte keine Nachfolger

13.8.14

Im Landkreis Warendorf ist fast jeder vierte der 175 Hausärzte bereits im Rentenalter, d.h. älter als 65 Jahre alt. Nur weil die Ärzte länger arbeiten als andere Berufstätige, kann die hausärztliche Versorgung im Landkreis überhaupt noch aufrecht erhalten werden, denn einen Nachfolger werden nur die wenigsten finden.

 

Überalterte Hausärzteschaft im Landkreis Warendorf

29.7.14

Ein Hausarzt aus Morsbach (Oberbergischer Kreis) sucht seit fünf Jahren einen Nachfolger  - bislang erfolglos. Den Hauptgrund für den Nachfolgermangel sieht er in der Strukturschwäche der Region.

Leider werden in diesem Artikel der Rheinischen Post die falschen Schlussfolgerungen aus einem angeblichen Gutachten des IGES - Instituts zitiert (siehe Aktuelles vom 21.7.2014), welches die schlechte Bezahlung nicht als Hauptursache des Hausärztemangels sehen möchte.

 

69jähriger Hausarzt findet keinen Nachfolger

26.7.14

Remscheid hat einen offiziellen hausärztlichen Versorgungsgrad von 111%, ist also nach Darstellung der Kassenärztlichen Vereinigung überversorgt. Doch Remscheids Hausärzte sind überdurchschnittlich alt, nämlich 54,6 Jahre. Somit steht Remscheid in den nächsten Jahren ein gravierender Hausärztemangel bevor, denn etwa jeder zweite Hausarzt wird dann das Rentenalter erreicht haben, und wie andernorts wird es auch in Remscheid kaum hausärztlichen Nachwuchs geben.

 

Remscheid könnte in den nächsten Jahren massiv vom Hausärztemangel betroffen sein

23.7.14

Noch gilt Herne statistisch als überversorgt. Das wird sich aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren ändern, denn 32 der 85 Herneraner Hausärzte sind älter als 60 Jahre und werden somit in absehbarer Zeit in den Ruhestand treten. Nachfolger sind auch in Herne Mangelware, weshalb davon ausgegangen werden muss, dass die betroffenen Praxen geschlossen werden.

 

32 der 85 Herneraner Hausärzte sind älter als 60 Jahre alt

Den Städten Bottrop, Gelsenkirchen und Gladbeck droht in den nächsten Jahren ein Hausärztemangel. So lauten die Prognosen einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Diese sieht auch das GKV-Strukturgesetz von 2012 als wirkungslos.

 

Hausärztemangel im Ruhrpott

Den folgenden Text eines jungen Hausarztes, der (noch) in einer mittelgroßen Stadt in NRW als Hausarzt niedergelassen ist, muss man gelesen haben. Der Beitrag ist in einem Kommentarbaum eines Artikels über den zunehmenden Hausärztemangel in Deutschland auf "Spiegel online" zu finden. In diesem Kommentar findet sich die ganze Verzweiflung vieler junger Hausärzte wieder, und er darf als Warnung an alle Fachärzte für Allgemeinmedizin verstanden werden, die mit einer Niederlassung liebäugeln:

 

24. Ich habe auch die Schnauze voll
DievolleWahrheit 10.07.2014
Morgen ist in Köln eine Infoveranstaltung für deutsche Ärzte seitens Headhuntern für die Schweiz. Ich höre es mir an. 5 Jahre als Facharzt für Allgemeinmedizin in einer Provinzstadt in Ostwestfalen haben mich unter diesem Bezahlsystem der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe rund gemacht. Ich muß als relativ junger Arzt 25% mehr Patienten durchschleusen als der Durchschnitt um überhaupt die Kosten drin zu haben...nach 2 Jahren Ehe ist meine Frau krank geworden und ist gegangen. Die 80-100h Woche in den ersten 4 Jahren der Selbstständigkeit hat unser PrivatLeben gekillt. Meine Assistentin hat mir nach einem Jahr gesagt, dass sie nur noch ihre Weiterbildung abschließt und dann nicht in meine Praxis eintreten möchte: Grund: Bürokratie, Arbeitszeit, fehlende Wertschätzung seitens der Politik, schlechte Verdienstmöglichkeiten ohne massiven Raubbau an Privatleben/Familie. Wenn das Angebot morgen stimmt, werde ich meine Praxis schließen und 1700 Patienten pro Quartal können sich einen anderen Arzt ihres Vertrauens suchen. Ich möchte mit 44 auch endlich einmal Leben und trauere um meine Ehe, die mir niemand zurück bringt...

 

Quelle

In 22 Gemeinden im Landkreis Ostwestfalen-Lippe ist die hausärztliche Versorgung akut gefährdet. Möglicherweise könnte dort das so genannte "Systemversagen" festgestellt werden, wodurch der Sicherstellungsauftrag von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) an die gesetzlichen Krankenversicherungen zurückfallen könnte. In diesem Fall können sich Kassenpatienten z.B. auch gegen Kostenerstattung bei Privatärzten behandeln lassen.

 

Auch für 50 000 Euro will kein Allgemeinmediziner nach Ostwestfalen-Lippe

Niederlassungprämien von bis zu 50 000€ fruchten nicht. Auch im Landkreis Gütersloh droht in den nächsten Jahren der Hausärztemangel.

 

Kein Anreiz für Hausärzte

Im Düsseldorfer Landtag wird der Hausärztemangel während einer Expertenanhörung am 22.5.2014 zerredet. Das eigentliche Kernproblem, die Honorarknappheit wird mit einem einzigen Kommentar eines einzelnen Hausarztes ("Das Honorar ist okay") abgetan. Tausende Hausärzte, die dazu sicher eine ganz andere Meinung hätten, werden nicht gefragt.

Nein, Herr Dr. Kottmann, das Honorar ist absolut nicht okay! Die schlechte Honorierung ist der schwerwiegendste Grund dafür, dass kaum noch ein junger Arzt Hausarzt werden will - nicht in Düsseldorf, nicht in Köln und auch nicht in anderen Regionen NRWs. Alle anderen angeführten Gründe sind bestenfalls Nebensächlichkeiten, wenn nicht einfach nur Ausreden von Kassen und Politik.

 

Voll daneben

Ärztepräsident Montgomery sieht schwarz für die Hausärzte, will es aber gar nicht. Bei einem Besuch an der Privatuniversität Witten-Herdecke diskutiert er mit Medizinstudenten.

 

"Nicht jedes Dorf wird seinen Arzt behalten"

Dem Hausarzt, der sich freiwillig in Schmallenberg-Bödefeld / NRW niederlässt, wird nicht nur die Praxis geschenkt, sondern er erhält zusätzlich eine Prämie von 50 000 €. Mein Tipp: es wird sich niemand finden.

 

Ein Ort ohne Kita verliert die Jungen, ein Ort ohne Arzt verliert die Jungen und die Alten

ein Ort ohne Kita verliert die Jungen, ein Ort ohne Arzt dagegen verliert Junge und Alte

Ärztemangel auf dem Land erlangt offiziellen Status | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/meinung/aerztemangel-auf-dem-land-erlangt-offiziellen-status-cmt-id9485527.html#plx1904115447
ein Ort ohne Kita verliert die Jungen, ein Ort ohne Arzt dagegen verliert Junge und Alte

Ärztemangel auf dem Land erlangt offiziellen Status | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/meinung/aerztemangel-auf-dem-land-erlangt-offiziellen-status-cmt-id9485527.html#plx1904115447

Der nordrhein-westfälische Landtag beschäftigt sich mit dem zunehmenden Hausärztemangel. Die Kommunen fürchten einen ruinösen Wettbewerb um die wenigen niederlassungswilligen Allgemeinmediziner. Die Ärztekammer NRW fordert dagegen eine "Willkommenskultur".

 

Der Kampf um die Hausärzte hat begonnen

Fehlende Freizeit und schlechte Honorierung sind nach Aussagen des Vizepräsidenten der nordrhein-westfälischen Ärztekammer die Hauptgründe dafür, dass es immer weniger Hausärzte gibt.

Der Verband der Erstatzkassen sieht dagegen aktuell nur regionale Engpässe.

 

Zunehmender Ärztemangel in NRW - VdEK-Vorsitzender redet die Lage schön

Nirgendwo in Nordrhein-Westfalen gibt es bezogen auf die Einwohnerzahl weniger Hausärzte als in der Stadt Kaarst. Acht der 26 Hausarztsitze sind derzeit vakant, wodurch sich rechnerisch ein Versorgungsgrad von nur noch 71% ergibt.

 

Das Fehlen der Hausärzte in der ca. 42 000 Einwohner zählenden Stadt westlich von Düsseldorf wiederlegt übrigens die Behauptung von Politik und Kassen, dass der Hausärztemangel nur in ländlichen Bereichen bestünde, denn Kaarst ist durchaus eine Stadt mit hoher Lebensqualität, mit vielen sportlichen, kulturellen und sonstigen Freizeitangeboten. Größere Städte, wie Düsseldorf, Köln, Neuss und Mönchengladbach sind schnell ereichbar. Trotzdem findet Kaarst keine neuen Hausärzte.

 

Hausärztemangel in Kaarst

 

Noch hat die Stadt Oberhausen genug Hausärzte. Innerhalb der nächsten 15 Jahre wird aber auch dort ein gravierender Hausärztemagel auftreten.

 

Oberhausen gehen in den nächsten Jahren die Hausärzte aus

Solche Beispiele von ruinösen Regressforderungen sind einer der Hauptgründe, warum junge Ärzte die Niederlassung als Hausarzt scheuen:

 

Wer Kassenarzt in der Region Nordrhein ist, braucht eigentlich keine Feinde mehr, dies hat auch der Lindlaer Hausarzt Dr. Jörg Blettenberg erfahren. Weil er als guter und engagierter Hausarzt die Versorgung eines Heimes für Menschen mit psychischen Behinderungen übernommen und viel mehr Medikamente und Heilmittel verordnet hat, als er offiziell gedurft hätte, wird von ihm eine Regresszahlung von über 150 000 € gefordert. Eine Klage gegen den Regress hatte keine aufschiebende Wirkung, und daher zahlt Dr. Blettenberg jeden Monat 4000 € an die Kassen zurück. Die endgültige Entscheidung steht noch aus. Da die Sozialgerichte in der Regel jedoch für das System und gegen die "Leistungserbringer" entscheiden, hat Herr Dr. Blettenberg trotz einer Petition und eines Aktionsbündnisses nicht viel zu erwarten.

 

Hausarzt vor dem Ruin

 

Engagement wird bestraft

Der Universitätsstadt Witten, nahe Dortmund droht der Hausärztemangel. Nur weil viele Mediziner trotz erreichen des Rentenalters nicht in den Ruhestand gehen, kann die hausärztliche Versorgung noch aufrecht erhalten werden. Die verantwortliche Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) sieht dagegen die Versorgung nicht gefährdet, da es ja noch ausreichend viele Mediziner gäbe und die Stadt bei jungen Medizinern auch angeblich sehr beliebt sei.

 

Das Problem ist aber nicht Witten, das Problem ist die KVWL selbst, deren bekanntes rigides Vorgehen gegen ihre Ärzte und die schlechte Honorierung eine Niederlassung in deren Zuständigkeitsbereich nicht erstrebenswert macht.

 

Universitätsstadt in absehbarer Zeit mit massivem Hausärztemangel

Der Region Nordrhein mit den Großstädten Köln und Düsseldorf droht in den nächsten Jahren ein gravierendes Hausarztproblem. Rund 5000 Hausärzte werden bis 2030 in den Ruhestand gehen. Hausärztlicher Nachwuchs ist jedoch kaum in Sicht.

 

Einer der bevölkerungsreichsten Regionen Deutschlands droht der Hausärztemangel

Ein ganz seltenes deutliches Signal aus der Politik: Die CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag fordert rasche Maßnahmen gegen den sich abzeichnenden dramatischen Ärztemangel in NRW. Bis Ende 2015 werde es in ganz NRW nur noch ca. 2250 Hausärzte geben. Das bedeutete, dass auf einen Hausarzt über 7800 Menschen kämen.

 

Leider gibt der Fraktionschef Karl-Josef Laumann, der als gelernter Maschinenschlosser nebenbei auch Patientenbeauftragter der Bunderegierung ist, in seinem Appell den falschen Adressaten an, nämlich die "grüne" Landesgesundheitministerin Steffens. Sie könnte an der Situation kaum etwas ändern, selbst wenn sie wollte. Der richtige Ansprechpartner wäre dagegen sein CDU-Parteifreund und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, der auch noch aus dem gleichen CDU-Landesverband stammt.

Doch einen Bundesminister, der auch noch aus der gleichen Partei stammt, kritisiert man eben nicht so leicht, wie eine oppositionelle Landesministerin.

 

Deutliche Worte - falsche Adresse

In NRW suchen mittlerweile 117 Kommunen dringend nach neuen Hausärzten. Insgesamt sind 1090 Hausarztpraxen nicht besetzt, und die Zahl steigt ständig an. Denn etwa ein Drittel der Hausärzte sind älter als 60 Jahre alt und werden in den nächsten Jahren meist ohne Nachfolger in den Ruhestand gehen.

 

NRW gehen die Hausärzte aus

Auch viele Medizinstudenten und junge Ärzte werden den unten verlinkten Bericht aus Spiegel online vom 16.4.18 zur Kenntnis nehmen, in dem es darum geht, dass zwei hessische Hausärzte mehrere zehntausend Euro Honorar zurückzahlen müssen, weil man ihnen vorwirft, in den letzten Jahren deutlich mehr Hausbesuche durchgeführt zu haben, als der Durchschnitt der hessischen Hausärzte! Hier werden also zwei Hausärzte nach den Regeln der deutschen Sozialgesetzgebung abgestraft, weil sie ihrem Beruf mit großem Engagement  nachgehen. Die meisten Hausärzte machen sowieso keine oder nur noch wenige Hausbesuche, da diese durch das niedrige Honorar von nicht einmal 23€ unwirtschaftlich geworden sind.

 

Viele junge Mediziner werden daraus ihr Schlüsse ziehen und womöglich nicht mehr in Erwägung ziehen, Hausarzt zu werden - sofern sie das überhaupt je vorgehabt hätten.  Als Hausarzt setzt man sich ganz offenbar der Gefahr aus, bestraft zu werden, wenn man seinen Beruf allzu ernst nimmt.

 

Zwei hessische Hausärzte werden für zuviele Hausbesuche bestraft

Ein Hausarzt aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Oer-Erkenschick musste am Montagmorgen 300 Patienten behandeln und schreibt einen Brandbrief an den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn. Auf dessen Antwort darf man gespannt warten.

 

Hausarztpraxis schleust am Montagmorgen 300 Patienten durch

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Copyright by Andreas Ploch, April 2018