Hausärztemangel in Deutschland
Hausärztemangel in Deutschland

Hessen

Erst vor wenigen Tagen hallte die Nachricht über die ruinöse Regressforderung an zwei hessische Hausärzte durch die Republik, denen vorgeworfen wird, zuviele Hausbesuche, nämlich deutlich über dem Landesdurchschnitt gemacht zu haben. Nun erweitert das Land Hessen ein Programm, welches Berufseinsteiger bei der Übernahme einer Hausarztpraxis unterstützen soll. Dieses Programm unternimmt jedoch scheinbar nichts gegen die drohende Regressgefahr, falls die neuen Hausärzte ihren Beruf allzu ernst nehmen sollten.

 

Starthilfe in den Ruin

200 Arztpraxen von Regressforderungen der Kassen betroffen

 

Richtig Mut zur Niederlassung macht auch ein Artikel in der Ärztezeitung vom 30.6.2017, der über die gescheiterten Honorarverhandlungen zwischen der KV Hessen und den Krankenkassen berichtet. Die niedergelassenen Ärzte Hessens erhalten demnach ihr Honoar nur unter Vorbehalt und müssen mit Rückzahlungen rechnen. Hessens Kassenärzte erhalten bislang ohnehin nur ein Honorar, das bundesweit unter dem Durchschnitt liegt.

 

Allen hessischen Kassenärzten droht Honorarrückforderung

 

 

Auch den folgenden Artikel sollte sich ein Berufseinsteiger vielleicht zunächst gut durchlesen:

 

Hausarzt in Johannesberg schließt seine Praxis nach drei Regressforderungen

Auch viele Medizinstudenten und junge Ärzte werden den unten verlinkten Bericht aus Spiegel online zur Kenntnis nehmen, in dem es darum geht, dass zwei hessische Hausärzte mehrere zehntausend Euro Honorar zurückzahlen müssen, weil man ihnen vorwirft, in den letzten Jahren deutlich mehr Hausbesuche durchgeführt zu haben, als der Durchschnitt der hessischen Hausärzte! Hier werden also zwei Hausärzte nach den Regeln der deutschen Sozialgesetzgebung abgestraft, weil sie ihrem Beruf mit großem Engagement  nachgehen. Die meisten Hausärzte machen sowieso keine oder nur noch wenige Hausbesuche, da diese durch das niedrige Honorar von nicht einmal 23 € unwirtschaftlich geworden sind.

 

Viele junge Mediziner werden daraus ihr Schlüsse ziehen und womöglich nicht mehr in Erwägung ziehen, Hausarzt zu werden - sofern sie das überhaupt je vorgehabt hätten.  Als Hausarzt setzt man sich ganz offenbar der Gefahr aus, bestraft zu werden, wenn man seinen Beruf allzu ernst nimmt.

 

Zwei hessische Hausärzte werden für zuviele Hausbesuche bestraft

 

Zu diesem Thema auch ein Link zu einem TV-Beitrag des Hessischen Rundfunks:

Wie Ärzte für Patienten zur Kasse gebeten werden

In Hessen sind laut Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) derzeit 149 Hausarztsitze unbesetzt.

 

Freie hausärztliche Niederlassungsmöglichkeiten in Hessen

Auch in Hessen dringt der Hausärztemangel bereits bis in die Ballungsgebiete vor. Am Rande des Rhein-Main-Gebietes überaltert die Hausärzteschaft und ausscheidende Allgemeinmediziner finden so gut wie keine Nachfolger mehr.

 

Hessens Hausärztemangel

In Hessen fehlen derzeit nach offizieller Zählweise rund 100 Hausärzte. Bis zum Jahr 2030 werden es sogar 250 sein. Diese Schätzung der KV Hessen dürfte jedoch stark untertrieben sein.

Um neue Hausärzte zu gewinnen, haben sich in den ländlichen Gebieten Hessens einige Initiativen gebildet, die zum Teil durchaus innovativ sind, wie z.B. die "Praxis auf Probe".

 

Initiativen gegen den Hausärztemangel in Hessen

Auch in der Großstadt Frankfurt am Main gibt es mittlerweile nicht mehr genug Hausärzte. Gemäß der offiziellen Bedarfsplanung sei zwar alles im grünen Bereich, doch in einigen Stadtteilen sind die Hausärzte bereits überlastet.

 

Ärztemangel in Mainhatten

Die Gemeinde Eppertshausen, nahe Darmstadt, geht neue Wege. Um dem drohenden Hausärztemangel zu begegnen, der spätestens im Herbst 2015 eintreten wird, hat die Gemeinde eine leerstehende aber komplett eingerichtete Praxis ersteigert, deren Inhaber Insolvenz anmelden musste.

Die Praxis soll saniert und an einen interessierten Arzt verpachtet werden, der auf diese Weise das wirtschaftliche Risiko der Niederlassung als Kassenarzt deutlich reduzieren könnte.

 

Eppertshausen ersteigert Arztpraxis I

Eppertshausen ersteigert Arztpraxis II

Mit großem Aufwand hat der Landkreis Waldeck-Frankenberg in Hessen eine Webseite installiert, mit Hilfe derer neue Landärzte für die Region gefunden werden sollen. Hausärzte, die einen Nachfolger suchen, können z. B. eine umfangreiche Anzeige aufgeben.

 

Die Seite ist professionell eingerichtet und ansprechend aufgemacht, allerdings wirkt sie etwas überladen und unübersichtlich.

 

Landarzt werden im Landkreis Waldeck-Frankenberg

15.11.14

Der in Frankfurt a. M. drohende Hausärztemangel wird aller Voraussicht nach die westlichen Stadtleile am stärksten treffen. Nach Schätzungen der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und des hessischen Sozialministeriums werden in den nächsten fünf Jahren knapp 200 Frankfurter Hausärzte altersbedingt ausscheiden. Wieviele von ihnen einen Nachfolger finden werden und wieviele Hausärzte ihre Kassenzulassung vorzeitig zurückgeben werden ist dabei natürlich nicht kalkulierbar.

Um dem drohenden Hausärztemangel zu begegnen, wurde im Westen der Stadt ein Weiterbildungsverbund für Fachärzte für Allgemeinmedizin gegründet.

 

Hausärzte im Frankfurter Westen dringend gesucht

Frankfurt gehen die Hausärzte aus

15.11.14

Stadt und Landkreis Kassel droht ein Hausärztemangel. 70% der Hausärzte sind älter als 50 Jahre alt und werden in absehbarer Zeit ihre Tätigkeit beenden. Allein bis 2020 werden 120 Hausärzte in den Ruhestand gehen. Die Suche nach einem Praxisnachfolger wird leider oft vergeblich bleiben.

Darüber diskutierten der Hausarzt Ingo Niemetz und der Regionalgeschäfts-führer der Barmer GEK, Michael-Arne Schüssl.

 

Drohender Hausärztemangel in Kassel

29.9.14

Der Wiesbadener Kurier versucht zwar in Sachen Hausärztemangel in der hessischen Landeshauptstadt zu beschwichtigen und spricht von einem langfristigen Problem, doch wer bei den genannten Zahlen mitrechnet, kann erkennen, dass in den nöchsten sechs Jahren deutlich mehr als die Hälfte der Wiesbadener Hausärzte das Rentenalter erreichen wird.

 

Nicht erst ein Problem in ferner Zukunft ...

01.08.14

Der Kreistag des Main-Kinzig-Kreises diskutiert über den sich abzeichnenden Hausärztemangel. Zwei Drittel der Hausärzte im Kreis werden in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen, ohne dass ausreichend Nachfolger in Aussicht seien.

Die Provinzpolitiker des Kreistags fordern die KV Hessen auf, endlich etwas gegen den Hausärztemangel zu unternehmen und für genügend Hausärzte zu sorgen.

 

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man glatt darüber lachen. Diese Forderung ist in etwa so sinnvoll, wie jene an einen Landwirt, in einer Trockenperiode gefälligst mehr Ernteertrag zu erwirtschaften, ohne dass er mehr Dünger oder Wasser verwenden dürfe.

 

Wenn der Beruf des Hausarztes vor allem in pekunärer Hinsicht nicht deutlich aufgewertet wird, kann es auch im Main-Kinzig-Kreis keine neuen Hausärzte geben. Daran trägt die KVH keine Schuld, und sie kann auch nichts daran ändern. Das wäre die Sache der Gesundheitspolitiker auf Bundesebene.

 

Hessische Provinzpolitiker auf Kollisionskurs zur Realität

31.7.14

In Babenhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg) kommen mittlerweile 2285 Einwohner auf einen Hausarzt. Somit fehlen in der Gemeinde zwei Hausärzte. Das führt mittlerweile sogar dazu, dass das örtliche Seniorenwohnheim Schwierigkeiten bekommt, neue Bewohner zu finden, denn die verbleibenden Hausärzte nehmen keine neuen Patienten mehr auf.

 

Hausärztemangel in Babenhausen

Innerhalb der nächsten sechs Jahre werden in Frankfurt/Main ca. 200 Hausärzte altersbedingt  ihre Tätigkeit beenden. Nachwuchs ist auch in der Großstadt nicht in Sicht.

 

Düstere Aussichten für die hausärztliche Versorgung in Frankfurt am Main

Über 30 vakante Hausarztsitze in Frankfurt

Aufgrund der Überalterung der Hausärzte wird sich in Kassel in den nächsten Jahren einen gravierender Hausärztemangel entwickeln. 70% der Hausärzte müssten bis 2025 durch Nachfolger ersetzt werden, was nahezu aussichtslos erscheint.

 

Auch am Beispiel von Kassel zeigt sich wieder einmal, dass die Behauptung der Verantwortlichen in Politik und GKV-System, der Hausärztemangel finde aufgrund des Verteilungsproblems nur auf dem Land statt, falsch ist.

 

Drohender Hausärztemangel in der Stadt Kassel

Noch ist die Versorgung mit Hausärzten im Werra-Meißner-Kreis gut, doch das Durchschnittsalter der Hausärzte beträgt bereits 57 Jahre. Daher ist in den nächsten wenigen Jahren mit dem Beginn eines deutlichen Hausarztmangels zu rechnen.

 

Viele Hausärzte im Werra-Meißner-Kreis werden ihre Praxen bald schließen

Werra-Meißner-Kreis droht Hausärztemangel

In der Region Offenbach droht vielen Hausarztpraxen das Aus. Ebenso wie in vielen anderen Regionen Deutschlands ist der Grund dafür der fehlende Nachwuchs an Allgemeinmedizinern.

 

Der Rhein-Main-Region gehen die Hausärzte aus

Derzeit sind in Hessen rund 170 Haus- und Facharztpraxen unbesetzt - Tendenz steigend, auch im Kreis Bergstraße.

 

Der Kreis Bergstraße braucht dringend neue Hausärzte

In Biblis hat ein Hausarzt aus privaten Gründen seine Praxis überraschend geschlossen. Einen Nachfolger gibt es nicht.

Noch vor wenigen Jahren hätte die KV Hessen den Nachfolger aus der Warteliste der interessierten Ärzte frei wählen können. Nun setzen die Einwohner und die beiden verbleibenden Ärzte ihre Hoffnung in die Lokalpolitik, doch auch die wird kaum in der Lage sein, einen Nachfolger zu finden.

 

In Biblis werden die Hausärzte knapp

Auch viele Medizinstudenten und junge Ärzte werden den unten verlinkten Bericht aus Spiegel online vom 16.4.18 zur Kenntnis nehmen, in dem es darum geht, dass zwei hessische Hausärzte mehrere zehntausend Euro Honorar zurückzahlen müssen, weil man ihnen vorwirft, in den letzten Jahren deutlich mehr Hausbesuche durchgeführt zu haben, als der Durchschnitt der hessischen Hausärzte! Hier werden also zwei Hausärzte nach den Regeln der deutschen Sozialgesetzgebung abgestraft, weil sie ihrem Beruf mit großem Engagement  nachgehen. Die meisten Hausärzte machen sowieso keine oder nur noch wenige Hausbesuche, da diese durch das niedrige Honorar von nicht einmal 23€ unwirtschaftlich geworden sind.

 

Viele junge Mediziner werden daraus ihr Schlüsse ziehen und womöglich nicht mehr in Erwägung ziehen, Hausarzt zu werden - sofern sie das überhaupt je vorgehabt hätten.  Als Hausarzt setzt man sich ganz offenbar der Gefahr aus, bestraft zu werden, wenn man seinen Beruf allzu ernst nimmt.

 

Zwei hessische Hausärzte werden für zuviele Hausbesuche bestraft

Ein Hausarzt aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Oer-Erkenschick musste am Montagmorgen 300 Patienten behandeln und schreibt einen Brandbrief an den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn. Auf dessen Antwort darf man gespannt warten.

 

Hausarztpraxis schleust am Montagmorgen 300 Patienten durch

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