Hausärztemangel in Deutschland
Hausärztemangel in Deutschland

Mögliche Lösungen zur Behebung des Hausärztemangels

Zwei Dinge sind klar:

1. Geld alleine löst das Problem des Hausarztmangels nicht.

2. Ohne Geld, d.h. ohne eine deutliche Erhöhung der Honorierung hausärztlicher  Leistungen wird das Problem des Hausärztemangels aber erst recht nicht gelöst, egal, welche Maßnahmen man sich bei Politik und Kassen sonst ausdenken mag.

 

Die Lösung für die Behebung des Hausärztemangels lautet also:

Deutlich mehr Geld minus X.

 

Was aber ist „X“?

 

X steht für die Faktoren, die es zu beheben gilt um den Hausarztberuf neben der Honorarerhöhung wieder attraktiv zu machen, und Medizinstudenten und Jungärzte zu motivieren, diesen eigentlich wunderschönen Beruf zu ergreifen.

 

Zu diesen Faktoren gehören in erster Linie die Belastung durch überbordende und zudem oft vollkommen sinnlose Verwaltungsaufgaben. Dazu zählen in erster Linie die Anfragen von Krankenkassen zu arbeitsunfähigen Patienten, welche den Kassen in erster Linie dazu dienen, eine evtl. drohende Krankengeldzahlung vorzeitig absehen und verhindern zu können.

Sehr zeitintensiv sind auch die inflationär zunehmenden und schlecht honorierten Anforderungen von Arztberichten und Gutachten durch Arbeitsagenturen, Rentenversicherungsträger und Landesämter für Familie und Soziales. Diese Institutionen müssten die erforderlichen Gutachten durch ihre medizinischen Dienste selbst erstellen lassen.

 

Ein weiterer Faktor ist natürlich das Regressrisiko. Der von Seehofer eingeführte Anachronismus, dass ein Arzt in einer immer älter und kränker werdenden Gesellschaft für die Wirtschaftlichkeit seiner Verordnungen haften muss, gehört abgeschafft. Das wirtschaftliche Risiko für die Behandlung der gesetzlich Zwangsversicherten muss an die Kassen zurückfallen. Ruinöse Regressforderungen gegen Vertragsärzte müssen umgehend gestoppt werden, und die in den letzten Jahren eingeforderten Regresssummen an die betreffenden Ärzte zurückgezahlt werden.

 

Das SGB V (Sozialgesetzbuch V) muss für Hausärzte und Patienten entschärft werden. In erster Linie gehört die Einschränkung der ärztlichen Therapiefreiheit und -hoheit durch den §12 SGB V abgeschafft. Nicht der Gesetzgeber, sondern der Arzt muss gemeinsam mit dem Patienten über die Behandlung entscheiden.

 

Die Freiheit der Arztwahl muss dahingehend eingeschränkt werden, dass gesetzlich Versicherte grundsätzlich zuerst zum Hausarzt gehen müssen. Dieser entscheidet, ob eine Behandlung durch einen Spezialisten („Facharzt“) erforderlich ist. Hierdurch würde auch die Problematik bzgl. der Wartezeiten auf einen Facharzttermin sofort beendet.

 

Natürlich würden durch die Behebung des Hausärztemangels Kosten verursacht. Das Geld dazu ist vorhanden, tatsächlich sogar um ein Vielfaches. Es ist nur falsch verteilt!

Die Kassen geben Unsummen für die eigenen Verwaltungen, für Prämien, Bonuszahlungen, freiwillige Leistungen, Werbung u.s.w. aus (siehe Geldverschwendung der Kassen), und haben derzeit einschließlich Gesundheitfonds Rücklangen von über 25 Mrd Euro. Wenn diese Gelder richtig gelenkt und in die Versorgung der Versicherten fließen würden, wäre die Finanzierung eines effektiven basisärztlichen Systems mit einer ausreichenden und über Jahre hinweg gesicherten Anzahl von Hausärzten gar kein Problem mehr.

Daneben muss auch die Anzahl der Kassen dringend reduziert werden. Die gesetzlich Versicherten in Deutschland benötigen nicht über 130 gesetzliche Krankenkassen. Wenige Dutzend Kassen würden vollkommen ausreichen, denn jede Kasse hat ihren eigenen teuren Verwaltungsapparat. Durch die Fusion kleinerer Kassen, von bspw. weniger als 500 000 Versicherten, könnten immense Kosten eingespart werden.

Auch viele Medizinstudenten und junge Ärzte werden den unten verlinkten Bericht aus Spiegel online vom 16.4.18 zur Kenntnis nehmen, in dem es darum geht, dass zwei hessische Hausärzte mehrere zehntausend Euro Honorar zurückzahlen müssen, weil man ihnen vorwirft, in den letzten Jahren deutlich mehr Hausbesuche durchgeführt zu haben, als der Durchschnitt der hessischen Hausärzte! Hier werden also zwei Hausärzte nach den Regeln der deutschen Sozialgesetzgebung abgestraft, weil sie ihrem Beruf mit großem Engagement  nachgehen. Die meisten Hausärzte machen sowieso keine oder nur noch wenige Hausbesuche, da diese durch das niedrige Honorar von nicht einmal 23€ unwirtschaftlich geworden sind.

 

Viele junge Mediziner werden daraus ihr Schlüsse ziehen und womöglich nicht mehr in Erwägung ziehen, Hausarzt zu werden - sofern sie das überhaupt je vorgehabt hätten.  Als Hausarzt setzt man sich ganz offenbar der Gefahr aus, bestraft zu werden, wenn man seinen Beruf allzu ernst nimmt.

 

Zwei hessische Hausärzte werden für zuviele Hausbesuche bestraft

Ein Hausarzt aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Oer-Erkenschick musste am Montagmorgen 300 Patienten behandeln und schreibt einen Brandbrief an den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn. Auf dessen Antwort darf man gespannt warten.

 

Hausarztpraxis schleust am Montagmorgen 300 Patienten durch

Druckversion Druckversion | Sitemap
Copyright by Andreas Ploch, April 2018