Hausärztemangel in Deutschland
Hausärztemangel in Deutschland

Daten und Fakten

In Deutschland gab es 2016 nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung 45 614 Hausärzte. Im Jahr 2005 gab es noch 53 255 Hausärzte. Somit ist die Anzahl der Hausärzte in zehn Jahren um über 14 Prozent zurückgegangen.

Im Jahr 2016 legten 12 763 Ärzte ihre Facharztprüfung ab, darunter nur 1 290 Fachärzte für Allgemeinmedizin bzw. Innere und Allgemeinmedizin. Ihr Anteil beträgt somit nicht einmal 11%. Früher betrug der Anteil der Allgemeinmediziner rund 40%.

 

Die Dauer der Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin bzw. Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin beträgt einschließlich Studium mindestens elf Jahre (6 Jahre Studium + 5 Jahre Facharztweiterbildung).

Das Durchschnittsalter aller Kassenärzte stieg im Zeitraum 1993 bis 2012 von 46,56 Jahren auf 53,67 Jahre an.

Das Durchschnittsalter der Hausärzte beträgt derzeit sogar schon 55,7 Jahre.

 

In den nächsten zehn Jahren werden über 15 000 Hausärzte in den Ruhestand gehen, sofern man das übliche Rentenalter von 65 Jahren zugrunde legt. Hunderte, wahrscheinlich sogar tausende Hausärzte werden außerdem ihre Kassenpraxis lange vor Erreichen des Rentenalters aufgeben bzw. zur Privatpraxis umwandeln. Der aktuelle Bedarf an neuen Hausärzten beträgt also rund 2000 pro Jahr. Wie oben beschrieben, absolvieren aktuell aber nur ca. 1300 Ärzte pro Jahr die ensprechende Facharztprüfung, und die meisten der neuen Allgemeinmediziner streben keine eigene Niederlassung an.

Die Differenz zwischen ausscheidenden und übernehmenden bzw. neu beginnenden Hausärzten dürfte aktuell bei über 1500 Hausärzten pro Jahr liegen - Tendenz: rasch steigend!

 

Nachfolgende Tabelle verdeutlicht, wie sehr sich die Altersstruktur der niedergelassenen Allgemeinmediziner allein in den letzten siebenJahren verändert hat. Die Altersstruktur der hausärztlichen Internisten und der meist deutlich älteren praktischen Ärzte (durchschnittlich 59 Jahre) wird dabei nicht berücksichtigt:

Alter   2010*   2013* 2014* 2015* 2016*    Tendenz
unter 34 J. 166 109 117 111 144 -13,6%
35 bis 39 J 1398 1117 990 902 940 -32,7%
40 bis 49 J. 9800 8053 7331 6823 6106 -31,7%
50 bis 59 J. 14159 13199 12949 12784 12053 -9,71%
60 bis 65 J. 6857 8108 8122 7780 6784 +1,1%
über 65 J. 2513 3194 3549 4206 3735 +67,3%
             
Summe 34893 33780 33058 32606 29762 -14,7%
             
* Stichtag 31.12.

Über zwei Drittel aller niedergelassenen Allgemeinmediziner ist aktuell über 60 Jahre alt und 12,6% befinden sich sogar schon im Rentenalter. Im typischen Niederlassungsalter (30 bis 39 Jahre) befinden sich nur noch 1084 Allgemeinmediziner (3,6%). Über zehn mal so viele Allgemeinmediziner befinden sich aber in einem Lebensalter, in dem ein Arzt seine Praxis abgibt.

 

Die Zahl der niedergelassen Allgemeinmediziner hat vom 31.12.2010 bis 31.12.2016 um 5131 (14,7%) abgenommen. Der Anteil der über 60jährigen Allgemeinmediziner stieg im gleichen Zeitraum von 9 370 auf 10519 (+12,3%).

 

Quelle: Ärztestatistik des Bundesärztekammer

 

Auch viele Medizinstudenten und junge Ärzte werden den unten verlinkten Bericht aus Spiegel online vom 16.4.18 zur Kenntnis nehmen, in dem es darum geht, dass zwei hessische Hausärzte mehrere zehntausend Euro Honorar zurückzahlen müssen, weil man ihnen vorwirft, in den letzten Jahren deutlich mehr Hausbesuche durchgeführt zu haben, als der Durchschnitt der hessischen Hausärzte! Hier werden also zwei Hausärzte nach den Regeln der deutschen Sozialgesetzgebung abgestraft, weil sie ihrem Beruf mit großem Engagement  nachgehen. Die meisten Hausärzte machen sowieso keine oder nur noch wenige Hausbesuche, da diese durch das niedrige Honorar von nicht einmal 23€ unwirtschaftlich geworden sind.

 

Viele junge Mediziner werden daraus ihr Schlüsse ziehen und womöglich nicht mehr in Erwägung ziehen, Hausarzt zu werden - sofern sie das überhaupt je vorgehabt hätten.  Als Hausarzt setzt man sich ganz offenbar der Gefahr aus, bestraft zu werden, wenn man seinen Beruf allzu ernst nimmt.

 

Zwei hessische Hausärzte werden für zuviele Hausbesuche bestraft

Ein Hausarzt aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Oer-Erkenschick musste am Montagmorgen 300 Patienten behandeln und schreibt einen Brandbrief an den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn. Auf dessen Antwort darf man gespannt warten.

 

Hausarztpraxis schleust am Montagmorgen 300 Patienten durch

Druckversion Druckversion | Sitemap
Copyright by Andreas Ploch, April 2018