Hausärztemangel in Deutschland
Hausärztemangel in Deutschland

Aktuelle Meldungen (Archiv):

Wenn es um den Ärztemangel geht, fürchten Politiker neuerdings nicht mehr um das Wohl des Volkes, sondern um das eigene! Anders kann man die Äußerung des NRW-Gesundheitsministers Laumann nicht deuten. "Es könnte der Tag kommen, dass eine unzureichende ärztliche Versorgung Wahlen entscheidet", sagte er beim Forum Gesundheit im evangelischen Krankenhaus Mühlheim.

 

Diese Angst vor dem Wähler ist durchaus nachvollziehbar, haben doch Gesundheitspolitiker aller Coleur in den letzten Jahrzehnten unser Gesundheitssystem dorthin gebracht, wo es sich heute befindet...

 

Ärztemangel bereitet Politikern Sorgen

In Deutschland fehlen nach offiziellen Angaben bereits über 2500 Hausärzte

 

15. September 2017

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigungen der Bundesländer sind derzeit in Deutschland über 2500 hausärztliche Niederlassungen unbesetzt. Genaue Zahlen finden Sie hier.

In Bayern fehlen knapp 190 Hausärzte

 

13. September 2017

Bayern gilt unter Hausärzten als erstrebenswertes Bundesland für eine Niederlassung. Dafür sorgen die gute Lebensqualität, hohes Honorar und Niederlassungs-prämien der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern. Trotzdem sind im südlichen Bundesland 189 Hausarztsitze derzeit nicht besetzt. Spitzenreiter ist der Niederlassungsbereich Ingolstadt Süd, wo es derzeit 13 Nieder-lassungsmöglichkeiten für Hausärzte gibt.

 

Niederlassungsübersicht Bayern

Anzeige gegen TK und andere Kassen wegen Betrugs

 

11. Oktober 2016

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat nach eigenen Angaben gegen die Techniker Krankenkasse (TK) und andere Kassen Anzeige wegen schweren Betrugs erstattet. Der Chef der TK hatte eingeräumt, dass die Krankenkassen Patienten auf dem Papier kränker machten, als dies den Tatsachen entspricht. Dies geschehe, indem man Ärzte dazu bringt, so viele Diagnosen wie möglich zu "codieren", welche den Kassen im Rahmen des Risikostrukturausgleichs zusätzliche Gelder aus dem Gesundheitsfonds einbringen. Hierbei herrsche sogar ein reger Wettbewerb unter den Kassen, wie der TK-Chef einräumte.

GKV-Studie über die Erreichbarkeit von Ärzten auf dem Land

 

20.11.2016

Eine Studie der Pronova-BKK führte zu einem absolut vorhersehbaren Ergebnis: Menschen, die auf dem Land leben, haben einen längeren Weg zum Arzt oder ins Krankenhaus als Stadtbewohner.

Hätte man eigentlich jemals etwas anderes gedacht?

Nicht aber das Ergebnis der Studie ist der Skandal, sondern allein die Tatsache, dass für eine solche Studie Geld ausgegeben wurde, das letztendlich aus den Beiträgen der Versicherten stammt. Es entspricht einfach der Natur der Dinge, dass die Entfernungen auf dem Land größer sind, als in der Stadt. Das gilt für Arztpraxen ebenso, wie für den Supermarkt, die Autowerkstatt, die Schule u.s.w.u.s.f..

Die Studie beklagt jedoch ernsthaft, dass das vor einem Jahr (!) in Kraft getretende Versorgungsstärkungsgesetz daran immer noch nichts geändert habe.

In einigen Jahren wird man mit weiteren Studien festgestellt haben, dass das Versorgungsstärkungsgesetz überhaupt nichts gebracht haben wird. Dann aber wird dessen Initiator, der aktuelle Gesundheitsminister Gröhe längst in Vergessenheit geraten sein. (Wie hieß gleich noch mal sein Vorgänger ...?)

 

Banalitäten

KVN führt Überstundenuhr für Kassenärzte ein

14. April 2016

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat auf ihrer Homepage eine Überstundenuhr installiert. Mit ihr soll dokumentiert werden, wieviele Stunden die Kassenärzte Niedersachsens ohne Honorar leisten. Da Leistung und Honorar für die Behandlung von Kassenpatienten budgetiert sind, die meisten Ärzte aber trotz Ausschöpfung des Budgets Patienten behandeln, fällt bei so gut wie allen Kassenärzten unbezahlte Arbeitszeit an. Jeder Arzt und jeder Psychotherapeut erbringen pro Tag durchschnittlich eine Stunde an unbezahlter Leistung.

 

Überstundenuhr

Landarzt in Neuseeland verzweifelt gesucht - für 240000 € pro Jahr!

23. Februar 2016

Nicht nur Deutschland leidet unter dem zunehmenden Haus- und Landärztemangel, sondern offenbar auch Neuseeland.

Im NZ-Herald von 23.2.2016 ist ein Bericht zu lesen, nach dem ein Neuseeländischer Arzt in der Kleinstadt Tokoroa dringend einen Kollegen sucht, der ihn in seiner Praxis unterstützt. Er bietet eine Anstellung mit einem Jahresgehalt von 400000 Neuseeländischen Dollars, was umgerechnet etwa 240000 Euro entspricht. Trotzdem sucht er seit zwei Jahren vergebens.

Die Stellenausschreibung hat sogar ihren Weg in dei deutschen Medien gefunden.

 

Kein Hausarzt für Neuseeland

Originalartikel (englisch)

Kassenchefs haften für Geldverschwendung

09.08.2015

 

Trotz Verwarnung durch das Bundesversicherungsamt haben die Vorstände der Novitas BKK mehrfach teure Firmenfeste veranstaltet und dafür über 74000 € aus Beitragsgeldern der Versicherten ausgegeben. Dafür werden sie nun in Regress genommen.

Hoffentlich macht dieses Beispiel Schule.

 

Kassenchefs werden in Regress genommen

Versorgungsstärkungs-gesetz kommt

19.06.2015

 

Die große Koalition hat das GKV-Versorgungsstärkungs-gesetz auf den Weg gebracht. Darin sollen u.a. finanzielle Anreize für Allgemeinmediziner geschaffen werden, sich in ländlichen Regionen niederzulassen. Dabei bleibt vollkommen unberück-sichtigt, dass es diese Anreize erstens schon seit Jahren gibt - ohne bislang einen nennswerten Erfolg gezeigt zu haben, und dass grundsätzlich nicht genug Fachärzte für Allgemeinmedizin exisiteren, welche die Versorgungslücken auf dem Land füllen könnten. Pro Jahr besteht ein Bedarf von rund 3000 neuen niederlassungswilligen Allgemeinmedizinern, jedoch legten 2014 nur 1218 Allgemeinmediziner ihre Facharztprüfung ab, darunter 780 Ärztinnen.

Der gläserne Patient kommt per Gesetz

27.05.2015

 

Das Bundeskabinett hat heute den Entwurf zum E-Health-Gesetz ("Gesetzentwurf für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen") beschlossen. Somit wird nun per Zwangsdekret die Einführung der  zentralen Datenspeicherung im Gesundheitswesen angeordnet.  Ärzten und Institutionen, die sich weiter gegen die Einführung des gläsernen Patienten zu Wehr setzen, sollen empfindliche Sanktionen drohen.

 

Gesundheitsministerium bejubelt Gesetzentwurf

 

Aktion: Stoppt die ECard!

Jeder zweite ausländische Arzt in der Schweiz ist Deutscher

26.3.2015

In der Schweiz arbeiten insgesamt rund 34400 Ärzte. Ein Drittel davon stammt aus dem Ausland, jeder zweite ausländische Arzt kommt aus Deutschland. Ohne die ausländischen Ärzte könnte die Schweiz die Gesundheitsversorgung ihrer Bürger nicht aufrecht erhalten, weshalb die Einrichtung zusätzlicher Studienplätze gefordert wird.

 

Im Gegensatz zu Deutschland ist der Schweizer Ärztemangel  nicht die Folge der schlechten Honorierung und des wirtschaftlichen Risikos sondern tatsächlich der zu geringen Anzahl ausgebildeter Mediziner geschuldet.

 

Jeder sechste Arzt in der Schweiz ist Deutscher

Kassen kündigen für nächstes Jahr höhere Zusatzbeiträge an

26.02.2015

Die gesetzlichen Kassen haben mit Außnahme der AOK im Jahr 2014 Verluste von ca. 1 Mrd Euro eingefahren. Jede Firma, die Verluste in solcher Höhe erleiden muss, würde in erster Linie an Sparmaßnahmen denken. Nicht so die GKVen! Ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes  teilte  der Deutschen Presseagentur (DPA) mit, dass die Kassen im nächsten Jahr mit Sicherheit die Zusatzbeiträge anheben werden. Derzeit betragen die Zusatzbeiträge bis zu 1,2 Prozent des Bruttoeinkommens zusätzlich zum Pflichtbeitrag von 14,6%, der hälftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber übernommen wird. Der Zusatzbeitrag muss dagegen alleine vom Arbeitnehmer getragen werden.

 

Die Kassen können sich dieses Vorgehen leisten. Anstatt auf ihre großzügigen Bonuszahlungen an die Versicherten oder freiwillige Zusatzleistungen, wie z.B. Hömöopathie oder Osteopathie zu verzichten, wodurch die Verluste ausgeglichen würden, müssen die Zwangsmitglieder eben tiefer in die Tasche greifen. Auch ein Zugriff auf die milliardenhohen Rückstellungen wird natürlich nicht erwogen.
 

Abgesehen von wenigen freiwilligen GKV-Mitgliedern, haben die meisten Versicherten keine Möglichkeit, diesem System zu entrinnen und müssen bezahlen, was immer die Kassen verlangen. Ein Wechsel zu augenscheinlich günstigeren Kassen macht unterm Strich keinen großen Unterschied.

 

Zwangsversicherte der gesetzlichen Kassen müssen ab nächstem Jahr tiefer in die Tasche greifen.

Frontal21 berichtet über die elektronische Gesundheitskarte

21.1.2015

Das ZDF-Magazin "Frontal 21" berichtete am 20.1.2015 über die nutzlose und teuere elektronische Gesundheitskarte, die von Gesundheitspolitik und Kassen sprichwörtlich um jeden Preis und gegen den Widerstand der Ärzteschaft eingeführt werden soll. Vor allem der Datenschutz wird nach Befürchtungen vieler Ärzte dabei auf der Strecke bleiben.

 

ECard - nutzlos und teuer

Telefone von Arztpraxen sollen abgehört werden dürfen

25.01.2015

Im Rahmen der Beratungen über das geplante Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen sprachen sich die Politiker der großen Koalition für die Möglichkeit aus, die Telefone von Arztpraxen abzuhören. Das hätte zur Folge, dass sensible Daten von Patienten in den Besitz der Ermittlungs-behörden gerieten.

Beim geplanten Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen handelt es sich ohnehin um eine politische Blendgranate. Im Vergleich zur Politik, wo die entsprechende UN-Konvention von Deutschland erst 2014 nach sage und schreibe elf Jahren ratifiziert wurde, obwohl 173 Staaten dies schon vor Jahren taten, soll nun eine entsprechende Regelung mit aller Macht durchgedrückt werden. Im Gesundheitswesen herrscht tatsächlich nicht mehr Korruption, als in anderen Sparten der Wirtschaft auch.

Die Regierung schafft mit dem Antikorruptionsgesetz neben dem GKV-VSG und dem EHealth-Gesetz einen weiteren guten Grund, sich in Deutschland nicht als Arzt niederzulassen. Die Pogromstimmung gegen Ärzte nimmt immer weitere Ausmaßen an!

BIG wirft Gesundheitspolitik und Kassen Inkompetenz und Ignoranz vor

13.01.2015

Der Vorsitzende der Bürger-Initiative-Gesundheit Dr. Helmut Müller geht mit Gesundheits-politik und gesetzlichen Kassen hart ins Gericht. Deren Fehler seien schuld daran, dass Kassen-patienten schlechter versorgt sind, als Privatversicherte. Zusätzlich drohe das von Gesundheitsminister Gröhe geplante Versorgungsstärkungs-gesetz die Versorgung gesetzlich Versicherter zusätzlich zu schwächen.

 

Pressemitteilung der BIG

Kassenärzte sollen nur noch befristete Zulassungen erhalten

30.12.2014

Kurz vor Jahresende treibt die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes (Lobbyverband der gesetzlichen Kassen) Doris Pfeiffer mal wieder eine ziemlich betagte Sau durchs Dorf. Sie fordert, dass Kassenärzte nur eine zeitliche befristet Zulassung erhalten dürfen. Damit soll erreicht werden, dass Kassenärzte wieder vermehrt in ländliche Gebiete gehen (wo die Zulassung länger erteilt werden könnte). Zwar wurde Frau Pfeiffer schon häufig erklärt, dass dies so nicht funktionieren kann, denn eine zeitlich befristet Zulassung - egal wo - würde die wenigen, noch zur Niederlassung bereit stehenden Ärzte eher verschrecken und zudem jede Investition in die Praxis im Keim ersticken, doch für eine Schlagzeile mit Nennung ihres Namens ist diese aufgewärmte Forderung immer gut. In einem Interview mit der Berliner Zeitung spricht Pfeiffer auch weiterhin unbeirrt von einer ärztlichen Überversorgung in den Städten. Allein das macht sie mittlerweile vollkommen unglaubwürdig, denn entweder weiß sie es nicht besser, dann ist sie für ihren Posten ungeeignet - oder sie verleugnet die Wahrheit wider besseren Wissens, dann gehört sie von diesem (ohnehin überflüssigen) Posten unverzüglich entfernt.

Doch es kommt noch besser: Pfeiffer behauptet im Interview, Kassenarztsitze könnten verkauft oder gar vererbt werden. Beides ist falsch. Eine Zulassung kann nicht verkauft werden, nur die Praxis und der ideelle Wert der Praxis können verkauft werden. Weiterhin sagt Pfeiffer: "Künftig sollte das Recht, mit einer gesetzlichen Krankenkasse abrechnen zu können, nur noch auf Zeit vergeben werden." Offenbar ist der Chefin des GKV-Spitzenverbandes noch nicht einmal bekannt, dass Vertragsärzte nicht mit den Kassen, sondern mit der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen.

Pfeiffer, setzen, sechs! Die Vorsitzende des GKV-Selbstzweckverbandes sollte  sich erst einmal ein Mindestmaß an Sachkenntnis aneignen, bevor sie Interviews gibt.

 

Interview mit Pfeiffer in der Berliner Zeitung

 

Artikel auf Spiegel-online mit fachkundigen Kommentaren

AOK Bayern fordert von 2700 Hausärzten Honorare in Höhe von 12,5 Mio Euro zurück

22.12.2014

Hausärzte, die mit der AOK Bayern einen Vertrag zur "Hausarztzentrierten Versorgung (HzV)" abgeschlossen haben, sehen sich vor Weihnachten mit heftigen Honorarrückfor-derungen konfrontiert. Im Schnitt soll jeder der 2700 betroffenen Ärzte über 4600 € an die Kasse zurückzahlen, insgesamt rund 12,5 Mio €.

Der Bayerische Hausärzteverband erkennt jedoch keinen Grund für die Rückforderungen der AOK Bayern und spricht von einem bewussten Angriff auf die am Hausarztvertrag teilnehmenden bayerischen Hausärzte und einem Verstoß gegen den augehandelten Vertrag.

 

Ärger mit der AOK Bayern

 

Reaktion des Hausärzteverbandes

Krankenkassen unterlaufen gesetzlichen Mindestlohn

18.12.2014

 

Hinreichend bekannt ist, dass die Krankenkassen an den Behandlungskosten ihrer Versicherten sparen, wo sie nur können. Nun deckt das Handelsblatt auf, dass die Krankenkassen auch bei Lohnkosten sparen und ab Januar 2015 den Mindestlohn von 8,50 € in den meisten Fällen unterlaufen werden. Auf den festgelegten Mindestlohn hätten nämlich Haushaltshilfen Anspruch, welche von den Krankenkassen bei Erkrankung oder Krankenhausaufenthalt der Versicherten bezahlt werden müssen.

Nur die AOK zahlt den Haushaltshilfen aktuell mehr als den Mindestlohn, die anderen Kassen bezahlen zwischen 5,25 und sechs Euro.

 

Dumpinglöhne für Haushaltshilfen

Die Kassen zahlten 2013 nur 3,81 € für Vorsorgeleistungen bei ihren Versicherten!

26.11.2014

 

Die gesetzlichen Krankenkassen gaben 2013 für jeden gesetzlich Versicherten im Durchschnitt 3,81 € für Vorsorge- und Präventionsleistungen aus. Obgleich dieses lächerlich niedrigen Betrages brüsten sich die Kassen dennoch mit einer Steigerung um 12% im Vergleich zu 2012 und dass der gesetzlich vorgeschriebene Richtwert nur bei 3,01 € läge.

 

Wer als gestzlich Versicherter je bei einer Vorsorgeuntersuchung war, kann sich auch denken, woher diese Minibeträge kommen. So umfasst der so genannte Check-up 35, also die Vorsorgeuntersuchung ab dem 35. Lebensjahr nur eine kurze körperliche Untersuchung, einen Urin-Schnelltest und die Bestimmung von des Zucker- und Cholesterinwertes im Blut, und das ärztliche Honorar für diese Untersuchung wurde letztes Jahr auch noch um über 25% gekürzt.

Wünscht ein Kassenpatient aber z.B. ein EKG, eine Lungenfunktions- oder Ultraschalluntersuchung oder eine erweiterte Laboruntersuchung, so muss er diese aus der eigenen Tasche bezahlen.

 

Vorsorge zum halben Preis eines Kinobesuchs!

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) enthält vielen Hausärzten die ausgehandelte Honorarerhöhung vor

19.11.2014

 

Die für die Kassenärzte ausgehandelte Honorarerhöhung kommt auf Beschluss der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in erster Linie nur den Fachärzten zugute. Hausärzte erhalten die Honorarerhöhung, die ohnehin nur unterhalb der Inflationsrate liegt, nur über steinige Umwege. Während die Fachärzte die zusätzlich zur Verfügung stehenden 132 Mio Euro als Zuschläge zu bestimmten Abrechnungsziffern erhalten, wird die hausärztliche Honorarerhöhung in Höhe eines Gesamtvolumens von 120 Mio Euro nicht direkt ausgezahlt. Um in den Genuss eines Mehr-Honorares zu kommen, muss ein Hausarzt nun nämlich eine nichtärztliche Versorgungsassistentin anstellen bzw. ausbilden, die mindestens 20 Wochenstunden tätig ist und unter anderem die Hausbesuche durchführen soll. Diese Förderung ist jedoch nur für Praxen geplant, deren durchschnittliche Fallzahl, also die Anzahl behandelter Patienten über 840 pro Quartal liegt, und somit überdurchschnittlich ist. Somit kommt die Hälfte der Hausarztpraxen – nämlich jene mit unterdurchschnittlichen Fallzahlen – für diese Förderung erst gar nicht in Betracht.

 

Mit diesem Beschluss handelt die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die eigentlich die Interessen aller Kassenärzte Deutschlands vertreten soll, eindeutig gegen die Interessen der Hausärzte und wird somit zu einer weiteren Ausdünnung der hausärztlichen Versorgung in Deutschland beitragen.

 

Hausärzte werden von der eigenen Selbstverwaltung diskriminiert

AOK Plus täuscht Versicherte über wahre Beitragssenkung

22.10.2014

 

Vollmundig kündigt die sächsisch-thüringische AOK Plus für das Jahr 2015 Beitragssenkungen an. Auf 14,9% statt 15,5 % wird sich ab dem 1.1.2015 der neue Beitrag belaufen. Was die AOK Plus ihren Versicherten jedoch verschweigt: der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung beträgt ab dem nächsten Jahr nur noch 14,6%. Die AOK Plus erhebt also stillschweigend einen Zusatz-beitrag von 0,3% und lässt sich dafür in der "Thüringer Allgemeine" kräftig feiern. Dort darf der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Plus, Rainer Striebel, damit prahlen, dass die AOK Plus auch 2014 mit einem positiven Ergebnis abschließen wird, und er erweckt den Eindruck, die Beitraggssenkung gäbe es nur bei der AOK Plus. Es sei vor allem dem gutem Wirtschaften der Kasse zu verdanken, dass deren Versicherte nun weniger zu zahlen hätten. Auf ihrer Homepage behauptet die AOK Plus zudem, keine Zusatzbeiträge zu erheben.

Tatsächlich zahlen die Versicherten der AOK Plus jedoch weniger weniger als sie nach der gesetzlich festgelegten Betragssenkung müssten. Warum eigentlich, wenn die AOK Plus angeblich "finanziell vorbildlich aufgestellt" und "für die nächsten Jahre gut gerüstet" ist?

 

Volksverdummung á la AOK Plus

Initiativen zur Gewinnung neuer Hausärzte reichen nicht aus

18.10.2014

 

Alle Programme zur Gewinnung neuer Hausärzte verfehlen ihr Ziel, so lautet das Ergebnis einer Studie der Wissenschaftler des Versorgungsatlas, über welche das Deutsche Ärzteblatt in seiner neuesten Ausgabe berichtet.

In den nächsten fünf Jahren werden etwa 13 000, also ein Viertel aller Hausärzte in den Ruhestand treten. Doch nur jeder zweite wird einen Nachfolger finden können. Nicht berücksichtigt werden die Hausärzte, die vor dem Erreichen des Ruhestandalters ihre Kassenpraxis schließen oder übergeben wollen.

 

Programme für neue Hausärzte verfehlen ihr Ziel

GKV-Spitzenverband kündigt Zusatzbeiträge an

15.10.2014

 

Die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes Doris Pfeiffer befürchtet aufgrund der geplanten Beitragssenkungen im nächsten Jahr für die Kassen ein finanzielles Defizit von ca. 10 Mrd Euro. Alle Kassen müssten daher von ihren Versicherten Zusatzbeiträge erheben.

Frau Pfeiffer macht in ihrem  Statement allerdings keine Angaben darüber, ob und inwiefern die Kassen die enormen Verwaltungskosten im GKV-System drosseln wollen. Diese belaufen sich laut einer Studie aus dem Jahr 2010 nämlich auf rund 23% der Beitragseinnahmen. Frau Pfeiffer erwähnt auch nicht, dass Kassen und Gesundheitsfonds derzeit über Rückstellungen in Höhe von über 26 Mrd Euro verfügen, welche die angeblich drohenden Verluste über mehr als zwei Jahre auffangen könnten.

 

Pfeiffer kündigt für alle Kassen Zusatzbeiträge an

Das geplante GKV-Versorgungsstärkungs-gesetz könnte zur Schließung von tausenden Arztpraxen führen

14.10.14

 

In Berlin wurde der erste Entwurf des GKV-Versorgungs-stärkungsgesetz vorgelegt. Der Name dürfte allerdings nur als Hohn empfunden werden, denn würde es so durchgestzt, wie es der Entwurf vorsieht, würden in den nächsten Jahren tausende  Arztpraxen schließen. In offiziell überversorgten Gebieten müssten nämlich die Kassenärztlichen Vereinigungen die frei werdenden Arztsitze aufkaufen, die anschließend nicht mehr besetzt werden könnten, auch wenn anschließend ein Nachfolger zur Verfügung stünde. Auch die im Entwurf des VSG geplante zunehmende Bürokratie dürfte kaum zur Verbesserung der ambulanten ärztlichen Versorgung beitragen.

 

Kritik an GKV-VSG

Kritik an GKV-VSG

AOK-Chef Graalmann fordert die Öffnung der Kliniken für ambulante Behandlungen

2.10.2014

 

Ambulante Behandlungen beim niedergelassenen Arzt und stationäre Behandlungen im Krankenhaus sind bislang in Deutschland strikt getrennt. Der Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes Graalmann fordert nun die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Behandlung. Für die Versicherten sei es nach Graalmanns Meinung nicht nachvollziehbar, warum sie nicht auch einen Krankenhausarzt zur ambulanten Behandlung aufsuchen dürften.

 

Leider "übersieht"  Herr Graalmann dabei, dass die deutschen Krankenhäuser bereits jetzt schon am Leistungslimit arbeiten und so gut wie keine Kapazitäten zur ambulanten Behandlung gesetzlich Versicherter haben. Die Ärzte in den Krankenhäusern werden über Graalmanns Vorschlag daher schockiert sein.

Die Intention Graalmanns ist offensichtlich: der zunehmende Ärztemangel im niedergelassenen Bereich soll durch die Krankenhäuser, die Patienten nicht so einfach abweisen dürfen, aufgefangen werden.

 

AOK-Chef will Krankenhäuser für die ambulante Behandlung öffnen

Bundesweites Weiterbildungsprogramm für neue Hausärzte verfehlt Ziel bei weitem

30.09.2014

 

Das 2009 von der KVB und den Kassen gestartete Weiterbildungsprogramm für Hausärzte zeigt so gut wie keine Wirkung. Ziel war es, dass sich pro Jahr 5000 neue Fachärzte für Allgemeinmedizinin Weiterbildung befinden. Bislang waren es jedoch nur durchschnittlich wenig mehr als 2000, wobei die Studie des Zentralinstitus (ZI) nur die Jahre 2010 bis 2012 beleuchtet. Interessanterweise weist die Bundesärztekammer viel niedrige Zahlen über die abgelegten Facharztprüfungen aus.

 

Weiterbildungsprogramm für Hausärzte floppt

Zahlen der BÄK

 

Baden-Württembergischer Gemeindetag fordert Rechtsanspruch auf Hausarzt

25.09.2014

 

Der Gemeindetag Baden-Württemberg fordert für jede eigenständige Gemeinde ab 1500 Einwohner einen Rechtsanspruch auf einen eigenen Hausarzt. Damit soll die flächendeckende hausärztliche Versorgung sichergestellt und dem zunehmenden Hausärztemangel entgegengewirkt werden. Über 170 Gemeinden im Ländle haben heute schon keinen Hausarzt mehr, und in knapp 200 Gemeinden besteht eine offizielle hausärztliche Unterversorgung von weniger als 75%.

Woher die fehlenden Hausärzte aber kommen sollen wird nicht angesprochen. Das erinnert stark an das Problem mit den Erzieherinnen und dem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für jedes Kleinkind.

Doch fordern kann man die Hausärzte ja mal, vielleicht sollten Hausärzte aber zuerst einmal gefördert werden ...

 

Gemeindetag fordert Rechtsanspruch auf Hausärzte

Krankenkassen erlassen Schuldnern über 1,1 Mrd Euro

24.09.2014

 

Die gesetzlichen Krankenkassen haben Schuldnern insgesamt über 1,1 Mrd. Euro Schulden erlassen. Von den 55000 säumigen Zahlern hätten die Kassen noch 231,6 Mio Euro Beiträge und 909,4 Mio Euro Säumniszuschläge zu erhalten gehabt.

 

Schuldenerlass der Kassen (RP)

Schuldenerlass der Kassen (BZ)

Nahles will schlagkräftige Gewerkschaften, wie den Marburger Bund entmachten

22.09.2014

 

Bundesarbeitministerin Andrea Nahles (SPD) plant die Entmachtung kleiner aber schlagkräftiger Gewerkschaften, wie z.B. den Marburger Bund, die Pilotenvereinigung Cockpit und die Lokführergewerkschaft GDL.  Zu groß sei laut Nahles die Gefahr, dass diese Gewerkschaften "vitale Funktionen des Landes lahmlegten".

 

Frau Nahles zeigt damit ein äußerst fragwürdiges Demokratieverständnis, sind die Gewerkschaften doch einer der Grundpfeiler unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Von einer SPD-Politikerin erwartet man anderes.

Die Beschneidung der Gewerkschaftsmacht würde der Willkür der (Arbeits-)Politik und der Arbeitgeber Tür und Tor öffnen. Nahles fürchtet sicher nicht wirklich die Lahmlegung vitaler Funktionen des Landes, sondern viel mehr, dass die Gewerkschaften die Interessen von Politik und Arbeitgebern aushebeln könnten.

 

SPD-Arbeitsministerin Nahles plant Entmachtung von Gewerkschaften

DAK steht im Verdacht, Geld an Neumitglieder verschenkt zu haben

19.09.2014

 

Eigentlich sollen Bonusprogramme gesundheitsbewusstes Verhalten von Kassenversicherten fördern und nebenbei die Mitglieder bei der Krankenkasse halten. Als Bonuszahlungen getarnt wurden bei der DAK aber offenbar systematisch Gelder an neue Mitglieder verschenkt - möglicherweise als Werbeprämie. Denn der DAK laufen seit Jahren die Versicherten weg.

Die Praxis der Geldgeschenke an Neumitglieder deckte eine Recherche des Senders NDR Info auf.

 

Geldgeschenke an Neumitglieder der DAK?

Honorarerhöhung unterhalb der Inflationsrate

27.08.14

 

Bei den Honorarverhandlungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband sprang für die Kassenärzte nur eine magere Honorarerhöhung von 1,4% heraus. Das Ergebnis liegt somit unter der Inflationsrate von 1,5%. Nach einer deutlichen Honorarkürzung durch die Einführung des neuen Hausarzt-Abrechnungskatalogs ("Hausarzt-EBM") im letzten Jahr, kann dieses Verhandlungsergebnis nur als letzte Warnung an alle immer noch niederlassungswilligen Allgemeinmedizner verstanden werden.

Nahezu ein Hohn ist die Äußerung der GKV-Spitzenverband-Vorsitzenden Doris Pfeiffer, die in dem Verhandlungsergebnis "eine Förderung der für viele kranken Menschen so wichtigen Hausbesuche" sieht. Dies resumiert sie, da die Honorarerhöhung für die Hausärzte eine Förderung der nichtärztlichen Praxisassistentinnen beinhaltet, die anstelle der fehlenden Hausärzte in Zukunft die Hausbesuche durchführen sollen.

Mit diesem Verhandlungsergebnis, dass de facto zu einem weiteren Rückgang der hausärztlichen Honorare führt, wurde eine der letzten Chancen vertan, ein deutliches Zeichen gegen die jetzt noch wahrscheinlichere Versorgungskatastrophe bei den gesetzlich Zwangsversicherten zu setzen.

Der NAV-Virchow-Bund will nun den Widerstand der Praxisärzte gegen die Honorarpolitik von KBV und Kassen organisieren.

 

Nachtrag (20.9.14): Der angekündigte Widerstand des NAV-Virchow-Bundes ist erwartungsgemäß bislang ausgeblieben.

 

Ein weiterer Sargnagel für die hausärztliche Versorgung in Deutschland

Gesetzliche Kassen planen Ärzteranking nach dem Vorbild der Nachrichtenmagazine

26.08.2014

 

Wie die BILD meldet, plant der GKV-Spitzenverband die Einführung einer Ärzte-Ranking-Liste, wie man sie bereits von einigen Printmedien kennt. Die BILD beruft sich dabei auf ein 23-seitiges "Geheimpapier" des GKV-Spitzenverbandes. Demnach sollen sich die Ärzte mittels Qualitätsreport selbst beruteilen, woraus anschließend eine Rangliste erstellt werden soll. Ärzte, die diesen Report verweigern, sollen mit Honorareinbußen sanktioniert werden.

 

GKV-Ranking für Ärzte

 

Sollte diese Meldung tatsächlich einen ernsthaften Hintergrund haben, belegt dies erneut die Verschwendungssucht der Kassen. Ein Ärzteranking aufgrund eines Selbstauskunftbogens ist noch unsinniger als das gängige Ranking der Magazine durch Geldzahlung. Nachdem das  GKV-Bewertungsportal für Kassenärzte (Weiße Liste) ein teurer Flop war, sucht der GKV-Spitzenverband nun offensichtlich einen neuen Weg um Beitragsgelder aus dem Fenster zu werfen.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bezeichnete den Plan des GKV-Spitzenverbandes als Allmachtsphantasie. Auch Vertreter der Ärztekammern reagierten empört und sprachen von Bürokratiewahn.

Gröhe will Ärzte belohnen, die ihre Arztbriefe per ECard-Datentransfer verschicken

25.08.2014

 

Der Ärztliche Nachrichtendienst änd berichtet, dass Bundesgesundheitsminister Gröhe besondere Anreize für Kassenärzte schaffen will, damit diese die neue elektronische Versicherungskarte (ECard) nutzen. Kassenärzte sollen in Zukunft dafür belohnt werden, wenn sie Arztbriefe nicht mehr per Post sondern über das neue ECard-System versenden. Wie diese Belohnung, die im noch zu verabschiedenden "E-Health-Gesetz" festgeschrieben werden soll konkret aussehen wird, blieb offen.

Die ECard wird von einer breiten Front innerhalb der Ärzteschaft und von vielen IT-Experten abgelehnt, da sie keine ausreichende Sicherheit für die sensiblen Patientendaten gewährleisten könne. Bei den Ärzten formiert sich bereits seit längerem Widerstand gegen das ECard-Projekt der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), welches bis zum kompletten Ausbau mehrere Milliraden Euro verschlingen wird.

Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) widerspricht den Kassen bzgl. der Honorarsituation der niedergelassenen Ärzte

15.08.2014

 

Mit dem Honorar für Kassenleistungen können niedergelassene Ärzte nicht das Einkommen vergleichbar qualifizierter Ärzte im Krankenhaus erzielen. Daher wird die Niederlassung als Kassenarzt für alle Arztgruppen immer unattraktiver, sofern die Krankenkassen honorarmäßig nicht angemessen nachlegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung.

 

Immer weniger Honorar aus der Behandlung gesetzlich Versicherter

Ambulante Arztkosten betragen für Kassenversicherte nur  489 € pro Jahr

07.08.14

 

Die Barmer-GEK berichtet, dass im Jahr 2012 die Arztkosten für ambulante Behandlungen  pro Versicherten im Durchschnitt 489 € betragen haben. Dies entspricht im Vorjahresvergleich einer Steigerung um 4,- € oder 0,82%, also deutlich unter der offiziellen Inflationsrate von 2,0%. Doch das ist den Kassen offenbar noch zu viel, und gleichzeitig beklagt der Vorstandsvorsitzende der Barmer-GEK Christoph Straub in der Frankfurter Rundschau die Bevorzugung von Privatpatienten. 

Privatpatienten bevorzugt

 

Wenn wundert's? Der deutsche Kassenpatient geht durchschnittlich über 18 Mal pro Jahr zum Arzt, aber die Ausgaben der Kassen für diese Arztbesuche steigen trotz demografischer Wandlung deutlich geringer als bspw. die Inflationsrate oder die Personalkosten. Jeder Arztbesuch ist den Kassen im Schnitt weniger als 27 € wert, oder anders ausgedrückt: pro Monat zahlen die Krankenkassen für die ambulante ärztliche Betreuung ihrer Versicherten gerade einmal 40 €. Offenbar erwarten die Kassen ernsthaft, dass die deutschen Kassenärzte die GKV-Zwangsversicherten weiterhin zu Dumpingpreisen behandeln sollen, welche oft nicht einmal mehr die Betriebskosten decken können.

Freie Ärzteschaft stellt Zukunft der Kassenärzte in Frage - nur noch Mangelbehandlung für Kassenpatienten möglich

06.08.14

 

Die jüngsten Pläne von Politik und Krankenkassen (Termingarantie, Landärztegesetz 2) offenbaren aus Sicht der Freien Ärzteschaft (FÄ), dass die ambulante medizinische Versorgung der gesetzlich Versicherten endgültig an ihre Grenzen gekommen ist. Einerseits unbegrenztes Leistungsversprechen und andererseits Planwirtschaft mit strikter finanzieller Begrenzung – das widerspreche sich im Kern, teilte die FÄ am 6.8.14 in Essen mit. Unter den Bedingungen der gesetzlichen Krankenkassen sei meistens nur noch eine Mangelbehandlung der Patienten möglich.

 

Freie Ärzteschaft sieht Kassenmedizin am Ende

"Bürger Initiative Gesundheit" fordert Straftatbestand der Korruption auch für die gesetzlichen Krankenkassen

02.08.2014

 

Als Reaktion auf den vom bayerischen Justizminister Bausback geforderten Straftatbestand der Korruption für Ärzte fordert die Bürger Initiative Gesundheit (BIG), eben auch diesen Straftatbestand für die gesetzlichen Kassen einzuführen. In einem offenen Brief an verantwortliche Politiker führt die BIG einige Beispiele der mutmaßlichen Korruption durch Krankenkassen (und Politiker) auf und regt zum Nachdenken an.

 

Initiative Gesundheit fordert: In neuen Straftatbestand auch Kassen einbeziehen

Ärzte fordern Selbstbeteiligung für unnötige Arztbesuche

22.07.2014

 

Viele Arztbesuche sind unnötig oder finden aufgrund von Bagatellerkrankungen statt, die eigentlich keiner ärztlichen Behandlung bedürfen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter 590 niedergelassenen Ärzten im Ärzteportal "Ärztlicher Nachrichtendienst" (änd). Jeder zweite Arzt schätzt, dass solche Bagatellfälle mehr als 1/5 der Patientenbesuche ausmache. Daher fordern die meisten Ärzte eine Selbstbeteiligung der Patienten an den Kosten, die durch solche Besuche entstehenden. Die Anzahl der Arztbesuche ist mit über 18 pro Jahr in Deutschland ohnehin weltweit am größten. Unnötige Arztbesuche würden die Qualität der Behandlung wirklich kranker Menschen einschränken und die Kosten im Gesundheitssystem in die Höhe treiben.

 

Selbstbeteiligung für Bagatellen

Wieder eine Studie, die die Verhältnisse schönrechnet

21.07.2014

 

Eine neue Studie des Gesundheitsforschungsinstituts IGES will einen höheren Umsatz von Hausärzten in ländlichen Gebieten Sachsen-Anhalts als in Berlin ausgemacht haben. So hätten die Landärzte einen Umsatz, der 14% über dem Bundesdurchschnitt liegen soll, die Stadtärzte lägen dagegen 11% darunter.

 

Umsatz der Hausärzte

 

Der Leiter des Ersatzkassenverbandes Ruiss folgert reflexhaft, dass mehr Geld für Hausärzte keine Lösung sei, man müsse "andere Wege gehen", so etwa die Verlegung freier Hausarztsitze aufs Land.

 

Ruiss übersieht dabei, ebenso wie die Verfasser der Studie (absichtlich?), dass der Umsatz einer Arztpraxis nicht mit deren Gewinn gleichzusetzen ist. Landpraxen zeichnen sich im Vergleich zu Stadtpraxen durch längere Wochenarbeitszeiten und höhere Personalaufwendungen aus. Der betriebswirtschaftliche Gewinn einer Landpraxis steht daher in einem anderen Verhältnis zum Umsatz, als  bei einer Stadtpraxis.

BKK Mobil Oil steht im Verdacht, überhöhte "Kopfgelder" für Neumitglieder gezahlt zu haben

16.07.2014

 

Laut Informationen des Radiosenders NDR hat eine der größten Betriebskrankenkassen, die BKK Mobil Oil überhöhte Vermittlungsprovisionen für Neumitglieder an eine Vertriebsfirma bezahlt. Pro Neumitglied seien den Recherchen des Senders zufolge 250 Euro Provision gezahlt worden, mehr als dreimal soviel, wie erlaubt. Delikat ist in diesem Fall, dass die Kasse möglicherweise versuchte, die überhöhten Provisionszahlungen zu verschleiern, indem das Geld verschiedenen Budgets entnommen wurde.

 

Überhöhte Kopfgelder für Neumitglieder

 

Bereits im März 2013 geriet die Krankenkasse in die Schlagzeilen, als dubiose Praktiken einer von ihr beauftragten Vertriebsfirma ruchbar wurden. Damals wurden wechselwilligen Versicherten Geldgeschenke versprochen, falsche Behauptungen über andere Krankenkassen getätigt und gleichzeitig auch Telekommunikations- und Energielieferverträge verkauft.

 

"Wechseln und gleich abkassieren"

Huml wärmt Röslers Vorschlag zur Landarztquote auf

14.07.2014

 

Die bayerische Gesundheitsministerin Huml kommt mit einem alten Vorschlag des früheren Gesundheitsministers Rösler von 2010. Die Universitäten sollen eine Landarztquote einführen. Das heißt, Bewerber für ein Medizinstudium, die sich bereit erklären, nicht nur die Facharztausbildung für Allgemeinmedizin zu machen, sondern anschließend auch in ein hausärztlich unterversorgtes Gebiet zu gehen, werden bei der Studienplatzvergabe bevorzugt.

 

Landarztquote

 

Wenn diese Studenten aber in frühestens elf Jahren ihre Facharztausbildung abgeschlossen haben werden, wird die BRD wahrscheinlich nur noch aus hausärztlich unterversorgten Gebieten bestehen, da bis dahin etwa die Hälfte aller derzeit praktizierenden Hausärzte in den Ruhestand gegangen sein wird - meistens ohne Nachfolger.

Außerdem grenzt es sprichwörtlich an Bauernfängerei, Abiturienten einen der begehrten Medizinstudienplätze zu versprechen, wenn sie sich verpflichten, sich anschließend auf wirtschaftlich äußerst dünnes Eis zu begeben. Ein Abiturient kann die Tragweite dieser Entscheidung gar nicht überblicken, was Humls Vorschlag auch rechtlich sehr fragwürdig erscheinen lässt.

Gesundheitsminister Gröhe agiert weiter am eigentlichen Problem vorbei

12.07.2014

 

Hermann Gröhe kündigt weitere Gesetze gegen den (Land-)Ärztemangel an. In unterversorgten Gebieten könnten bspw. medizinische Versorgungszentren (MVZ) von Hausärzten geründet und in kommunaler Trägerschaft geführt werden. Außerdem soll die Trennung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung aufgehoben werden. Gröhe gibt somit einerseits zu, dass das 2012 verabschiedete Versorgungsstrukturgesetz ("Landärztegesetz") gescheitert ist, andererseit verkennt er, dass das immer weiter ausufernde Problem mit einem weiteren Gesetz auch nicht zu beheben ist. Die Möglichkeiten für Hausärzte, in MVZ oder Gemeinschaftspraxen zusammen zu arbeiten, besteht schon länger, doch dadurch kommt es eher zur Zentralisierung der Ärzte in Großgemeinden oder Städten. Und auch die kleineren Krankenhäuser auf dem Land, von denen ohnehin viele von der Schließung bedroht sind, können die ambulante haus- oder fachärztliche Versorgung keinesfalls sicherstellen. Die kleineren Krankenhäuser leiden bereits heute schon an Ärzte- und Pflegermangel, eine zusätzliche Belastung durch ambulante Patienten ließe in vielen Häusern die medizinische Versorgung möglicherweise zusammenbrechen.

 

Das eigentliche Problem, nämlich die Unterfinanzierung der ambulanten Behandlung erwähnt Gröhe dagegen nicht.

 

Gesundheitspolitischer Aktionismus

Bertelsmann-Studie: Neue Planungen bewirken keine gerechtere Verteilung

10.07.2014

 

Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergab, dass die neue Bedarfsplanung für niedergelassene Ärzte keine gerechtere Verteilung der Ärzte zur Folge hat. Damit hätte eigentlich auch niemand ernsthaft gerechnet. Doch bei den Hausärzten sieht die Studie angeblich eine Verbesserung der Versorgung, da nun 46% der Planungsbereiche eine Übereinstimmung von Bedarf und Planung aufwiesen. Vorher waren es nur 19%.

Leider "übersieht" die Studie, dass diese zunehmende Übereinstimmung nicht etwa durch eine Zunahme der Hausärzte, sondern durch eine Abnahme der geplanten Hausarztsitze zustande kam. So wurden z.B. alleine in Bayern durch die neue Bedarfsplanung 80 Hausarztsitze gestrichen.

So kann man einen Bedarf natürlich auch anpassen ...

 

Faktencheck Gesundheit

 

Was nicht passt, wird passend gemacht

Gesundheitsminister beschließen Sprachtests für ausländische Ärzte

27.6.2014

 

Was in anderen Einwanderungsstaaten seit Jahrzehnten üblich ist, soll nun auch in Deutschland verbindlich eingeführt werden: die Sprachtests für ausländische Ärzte, die in Deutschland arbeiten möchten. Das wurde von den Gesundheitsministern der Länder beschlossen. In der Verlautbarung wurde jedoch betont, dass die Zuwanderung ausländischer Ärzte den Ärztemangel, insbesondere aber den Mangel an Hausärzten nicht kompensieren könne.

 

Sprachtests für zuwandernde Ärzte

 

Kommentar:

Es ist ein positives Zeichen für die Gesundheitsminister der Länder, dass man den (Haus-)Ärztemangel offiziell anerkennt. Wenn Frau Prüfer-Storcks es nun noch lernen sollte, dass Hausärzte auch Fachärzte sind, wäre sie persönlich noch einen Schritt weiter.

Patientendaten sind nicht sicher

25.6.2014

 

Unbefugte können sich problemlos Zugriff auf sensible Patientendaten verschaffen. Dies stellte die "Rheinische Post" in einem einfachen Versuch fest. Ein Telefonanruf und ein Internetanschluss reichen aus, um von der Krankenkasse des Betreffenden Daten abrufen zu können, die eigentlich bestens gesichert sein sollten.

 

Versichertendaten ungesichert

 

Der laxe Umgang mit Versichertendaten macht nicht besonders viel Mut im Hinblick auf die geplante zentrale Speicherung aller Behandlungsdaten im Rahmen der Einführung der neuen ECard.

Kassen  machen einen Verlust von 200 Mio Euro

4.6.2014

 

Die gesetzlichen Kassen haben im ersten Quartal 2014 einen Verlust von rund 200 Mio Euro eingefahren.

Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasen von der Universität Duisburg-Essen geht davon aus, dass die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung in Zukunft um 0,2 bis 0,3 % pro Jahr angehoben werden.

 

Quelle

 

Nur zur Erinnerung: Der Verwaltungskostenanteil im GKV-Bereich liegt bei ca. 15,6% der Beitragseinnahmen. Das sind knapp dreimal soviel, wie die Kassen behauptet haben. Bislang hat jedoch niemand etwas von Sparmaßnahmen in den eigenen Verwaltungen der Kassen gehört.

 

Fazit: Die Kassen verschleudern Milliarden der Beitragsgelder für die eigenen Verwaltung und kommen trotzdem mit den Beitragseinnahmen nicht aus. Es wird aber nicht gespart, sondern die Beiträge werden erhöht.

 

Wie lange lassen sich die gesetzlich Versicherten das noch gefallen und warum schreiten die Aufsichtsbehörden nicht ein?

Kassen geben 110 Mio € für fragwürdige Zusatzleistung "Osteopathie" aus.

Die gesetzlichen Krankenkassen, die eigentlich dem Wirtschaftlichkeitsgebot nach §12 SGB V verpflichtet sind, haben im Jahr 2013 nach Recherchen des Senders NDR Info 110 Mio € für osteopathische Behandlungen ausgegeben. Dabei seien die Kosten förmlich explodiert. Pro Patient und Jahr werden bis zu 360€ für osteopathische Behandlungen ausgegeben. Ein Hausarzt kommt bestenfalls auf 2/3 dieses Betrages - egal, wie oft er einen Patienten pro Jahr behandelt.

 

Bei der Osteopathie handelt es sich um ein unwissenschaftliches Verfahren, dessen Wirksamkeit bislang nicht belegt werden konnte. Osteopath kann sich im Prinzip jeder nennen, eine offizielle Ausbildung gibt es nicht. Gemäß den Beschlüssen des Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) dürfte die Osteopathie nicht auf Kassenkosten durchgeführt werden, eine Gesetzesänderung durch die ehemalige schwarz-gelbe Regierung machte dies trotzdem möglich. Besonders skandalös ist dabei, dass hierbei auch Berufsgruppen mit Kassengeldern bezahlt werden, die sonst für die Behandlung von Kassenversicherten nicht zugelassen sind, wie z.B. Heilpraktiker.

 

Kostenexplosion durch Osteopathie

 

Mai 2014

 

Dei Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein thematisiert die zunehmende Gewalt gegen Ärzte, Psychotherapeuten und Angestellte in den Praxen. In einigen Beispielen schildern Betroffene die Gewaltszenen.

 

Gewalt in Arztpraxen

21.5.2014

 

Der Chef der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery teilt in einer Pressekonferenz mit, dass die geplante Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), nach der die Behandlung privater Patienten honoriert wird, insgesamt nicht zu einer Absenkung des Honorars führen wird, es jedoch auch Verlierer geben wird. Das sei das Vorab-Ergebnis der Verhandlungen mit dem Vorstand des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV).

 

Kommentar:

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Seit 17 Jahren hat es keine Honoraranpassung in der GOÄ mehr gegeben und nun verkauft es der verantwortliche Verhandlungsführer der Ärzte als Erfolg, dass es keine generellen Honorarkürzungen geben wird, einige aber trotzdem weniger verdienen werden! Mit einem solchen Verhandlungsergebnis sollte sich mal ein  Gewerkschaftsboss vor seine Leute trauen!

 

Herr Montgomery zeigt damit, dass er als Präsident der Bundesärztekammer untragbar geworden ist. Als Vorsitzender der Ärztegewerkschaft Marburger Bund hätte Montgomery so etwas niemals gewagt. Doch ein solch eklatantes Versagen hat es in der Geschichte deutscher Tarifverhandlungen noch nicht gegeben. Selbst der ehemalige Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Köhler hat es geschafft, das "Angebot" der Kassen über eine 7%ige Honorarkürzung 2012 in einen minimalen Honorarzuwachs umzubiegen.

Sicher wird sich Herr Montgomery während des nächste Woche stattfindenden 117. Deutschen Ärztetages einiges anhören müssen. Durch den Haupteingang wird er sich eher nicht zu gehen wagen. Es wird nicht wenige Ärzte geben, die seinen sofortigen Rücktritt von seinem Amt fordern.

Auch viele Medizinstudenten und junge Ärzte werden den unten verlinkten Bericht aus Spiegel online vom 16.4.18 zur Kenntnis nehmen, in dem es darum geht, dass zwei hessische Hausärzte mehrere zehntausend Euro Honorar zurückzahlen müssen, weil man ihnen vorwirft, in den letzten Jahren deutlich mehr Hausbesuche durchgeführt zu haben, als der Durchschnitt der hessischen Hausärzte! Hier werden also zwei Hausärzte nach den Regeln der deutschen Sozialgesetzgebung abgestraft, weil sie ihrem Beruf mit großem Engagement  nachgehen. Die meisten Hausärzte machen sowieso keine oder nur noch wenige Hausbesuche, da diese durch das niedrige Honorar von nicht einmal 23€ unwirtschaftlich geworden sind.

 

Viele junge Mediziner werden daraus ihr Schlüsse ziehen und womöglich nicht mehr in Erwägung ziehen, Hausarzt zu werden - sofern sie das überhaupt je vorgehabt hätten.  Als Hausarzt setzt man sich ganz offenbar der Gefahr aus, bestraft zu werden, wenn man seinen Beruf allzu ernst nimmt.

 

Zwei hessische Hausärzte werden für zuviele Hausbesuche bestraft

Ein Hausarzt aus der nordrhein-westfälischen Kleinstadt Oer-Erkenschick musste am Montagmorgen 300 Patienten behandeln und schreibt einen Brandbrief an den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn. Auf dessen Antwort darf man gespannt warten.

 

Hausarztpraxis schleust am Montagmorgen 300 Patienten durch

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